Er sprach: "Liebe Traute, ich kehr in kurzer Zeit; 951
Ich weiß nicht, daß hier Jemand mir Haß trüg oder Neid.
Alle deine Freunde sind insgemein mir hold;
Auch verdient' ich von den Degen wohl nicht anderlei Sold."
"Ach nein, lieber Siegfried: wohl fürcht ich deinen Fall. 952
Mir träumte heunt von Leide, wie über dir zu Thal
Fielen zwei Berge, daß ich dich nie mehr sah:
Und willst du von mir scheiden, das geht mir inniglich nah."
Er umfieng mit Armen das zuchtreiche Weib, 953
Mit holden Küssen herzt' er ihr den schönen Leib.
Da nahm er Urlaub und schied in kurzer Stund:
Sie ersah ihn leider darnach nicht wieder gesund.
Da ritten sie von dannen in einen tiefen Tann 954
Der Kurzweile willen; manch kühner Rittersmann
Ritt mit dem König; hinaus gesendet ward
Auch viel der edeln Speise, die sie brauchten zu der Fahrt.
Manch Saumross zog beladen vor ihnen überrhein, 955
Das den Jagdgesellen das Brot trug und den Wein,
Das Fleisch mit den Fischen und Vorrath aller Art,
Wie sie ein reicher König wohl haben mag auf der Fahrt.
Da ließ man herbergen bei dem Walde grün 956
Vor des Wildes Wechsel die stolzen Jäger kühn,
Wo sie da jagen wollten, auf breitem Angergrund.
Auch Siegfried war gekommen: das ward dem Könige kund.
Von den Jagdgesellen ward umhergestellt 957
Die Wart an allen Enden: da sprach der kühne Held,
Siegfried der starke: "Wer soll uns in den Wald
Nach dem Wilde weisen, ihr Degen kühn und wohlgestalt?"
"Wollen wir uns scheiden," hub da Hagen an, 958
"Eh wir beginnen zu jagen hier im Tann:
So mögen wir erkennen, ich und der Herre mein,
Wer die besten Jäger bei dieser Waldreise sei'n.
"Leute so wie Hunde, wir theilen uns darein: 959
Dann fährt, wohin ihm lüstet, Jeglicher allein"
Und wer das Beste jagte, dem sagen wir den Dank."
Da weilten die Jäger bei einander nicht mehr lang.
Da sprach der edle Siegfried: "Der Hunde hab ich Rath 960
Bis auf einen Bracken, der so genoßen hat,
Daß er die Fährte spüre der Thiere durch den Tann.
Wir kommen wohl zum Jagen!" sprach der Kriemhilde Mann.