Die Jagd war zu Ende, doch nicht so ganz und gar, 971
Zu der Feuerstelle brachte der Jäger Schar
Häute mancher Thiere und des Wilds genug.
Hei! was des zur Küche des Königs Ingesinde trug!
Da ließ der König künden den Jägern wohlgeborn, 972
Daß er zum Imbiß wolle; da wurde laut ins Horn
Einmal gestoßen: so machten sie bekannt,
Daß man den edeln Fürsten nun bei den Herbergen fand.
Da sprach ein Jäger Siegfrieds: "Mit eines Hornes Schall 973
Ward uns kund gegeben, Herr, daß wir nun all
Zur Herberge sollen: erwiedre ichs, das behagt."
Da ward nach den Gesellen mit Blasen lange gefragt.
Da sprach der edle Siegfried: "Nun räumen wir den Wald." 974
Sein Ross trug ihn eben; die Andern folgten bald.
Sie ersprengten mit dem Schalle ein Waldthier fürchterlich,
Einen wilden Bären; da sprach der Degen hinter sich:
"Ich schaff uns Jagdgesellen eine Kurzweil. 975
Da seh ich einen Bären: den Bracken löst vom Seil.
Zu den Herbergen soll mit uns der Bär:
Er kann uns nicht entrinnen, und flöh er auch noch so sehr."
Da lös'ten sie den Bracken: der Bär sprang hindann. 976
Da wollt ihn erreiten der Kriemhilde Mann.
Er kam in eine Bergschlucht: da konnt er ihm nicht bei:
Das starke Thier wähnte von den Jägern schon sich frei.
Da sprang von seinem Rosse der stolze Ritter gut 977
Und begann ihm nachzulaufen. Das Thier war ohne Hut,
ES konnt ihm nicht entrinnen: er fieng es allzuhand;
Ohn es zu verwunden, der Degen eilig es band.
Kratzen oder beißen konnt es nicht den Mann. 978
Er band es an den Sattel; auf saß der Schnelle dann
Und bracht es an die Feuerstatt in seinem hohen Muth
Zu einer Kurzweile, dieser Degen kühn und gut.
Er ritt zur Herberge in welcher Herrlichkeit! 979
Sein Sper war gewaltig, stark dazu und breit;
Eine schmucke Waffe hieng ihm herab bis auf den Sporn;
Von rothem Golde führte der Held ein herrliches Horn.
Von beßerm Birschgewande hört ich niemals sagen. 980
Einen Rock von schwarzem Zeuge sah man ihn tragen
Und einen Hut von Zobel, der reich war genug.
Hei! was edler Borten an seinem Köcher er trug!