Da konnte Niemand trösten Siegfriedens Weib, 1058
Man zog aus den Kleidern seinen schönen Leib,
Wusch ihm seine Wunde und legt' ihn auf die Bahr;
Allen seinen Leuten wie weh vor Jammer da war!
Es sprachen seine Recken aus Nibelungenland: 1059
"Immer ihn zu rächen bereit ist unsre Hand.
Er ist in diesem Hause, von dem es ist geschehn."
Da eilten sich zu waffnen die Degen in Siegfrieds Lehn.
Die Auserwählten kamen in ihrer Schilde Wehr, 1060
Elfhundert Recken; die hatt in seinem Heer
Siegmund der König: seines Sohnes Tod
Hätt er gern gerochen, wie ihm die Treue gebot.
Sie wusten nicht, wen sollten sie im Streit bestehn, 1061
Wenn es nicht Gunther wäre und Die in seinem Lehn,
Die zur Jagd mit Siegfried geritten jenen Tag.
Kriemhild sah sie gewaffnet: das schuf ihr großes Ungemach.
Wie stark auch ihr Jammer, wie groß war ihre Noth, 1062
Sie besorgte doch so heftig der Nibelungen Tod
Von ihrer Brüder Mannen, daß sie dawider sprach:
Sie warnte sie in Liebe, wie immer Freund mit Freunden pflag.
Da sprach die Jammerreiche: "Herr König Siegmund, 1063
Was wollt ihr beginnen? Euch ist wohl nicht kund,
Es hat der König Gunther so manchen kühnen Mann:
Ihr wollt euch all verderben, greift ihr solche Recken an."
Mit auferhobnen Schilden that ihnen Streiten Noth. 1064
Die edle Königstochter bat und gebot,
Daß es meiden sollten die Recken allbereit.
Daß sie's nicht laßen wollten, das war ein grimmiges Leid.
Sie sprach: "Herr König Siegmund, steht damit noch an, 1065
Bis es sich beßer fügte: so will ich meinen Mann
Euch immer rächen helfen. Der mir ihn hat benommen,
Wird es mir bewiesen, es muß ihm noch zu Schaden kommen.
"Es sind der Uebermüthigen hier am Rhein so viel, 1066
Daß ich euch zum Streite jetzt nicht rathen will:
Sie haben wider Einen immer dreißig Mann;
Laß ihnen Gott gelingen, wie sie uns haben gethan.
"Bleibt hier im Hause und tragt mit mir das Leid, 1067
Bis es beginnt zu tagen, ihr Helden allbereit:
Dann helft ihr mir besargen meinen lieben Mann."
Da sprachen die Degen: "Liebe Frau, das sei gethan."