Als sie das recht vernahmen, sie wolle nicht hindann, 1125
Da huben Siegfrieds Mannen all zu weinen an.
Mit welchem Herzensjammer nahm da Siegmund
Urlaub von Kriemhilden! Da ward ihm Unfreude kund.
"Weh dieses Hofgelages!" sprach der König hehr. 1126
"Einem König und den Seinen geschieht wohl nimmermehr
Einer Kurzweil willen, was uns hier ist geschehn:
Man soll uns nimmer wieder hier bei den Burgunden sehn."
Da sprachen laut die Degen in Siegfriedens Heer: 1127
"Wohl möchte noch die Reise geschehen hieher,
Wenn wir den nur fanden, der uns den Herrn erschlug.
Sie haben Todfeinde bei seinen Freunden genug."
Er küsste Kriemhilden: kläglich sprach er da, 1128
Als er daheim zu bleiben sie so entschloßen sah:
"Wir reiten arm an Freuden nun heim in unser Land!
All mein Kummer ist mir erst jetzo bekannt."
Sie ritten ungeleitet von Worms an den Rhein: 1129
Sie mochten wohl des Muthes in ihrem Sinne sein,
Wenn sie in Feindschaft würden angerannt,
Daß sich schon wehren solle der kühnen Niblungen Hand.
Sie erbaten Urlaub von Niemanden sich. 1130
Da sah man Geiselheren und Gernot minniglich
Zu dem König kommen; ihnen war sein Schade leid:
Das ließen ihn wohl schauen die kühnen Helden allbereit.
Da sprach wohlgezogen der kühne Gernot: 1131
"Wohl weiß es Gott im Himmel, an Siegfriedens Tod
Bin ich ganz unschuldig: ich hört auch niemals sagen,
Wer ihm Feind hier wäre: ich muß ihn billig beklagen."
Da gab ihm gut Geleite Geiselher das Kind. 1132
Er bracht ohne Sorgen, die sonst bei Leide sind,
Den König und die Recken heim nach Niederland.
Wie wenig der Verwandten man dort fröhlich wiederfand!
Wie's ihnen nun ergangen ist, weiß ich nicht zu sagen. 1133
Man hörte hier Kriemhilden zu allen Zeiten klagen,
Daß ihr Niemand tröstete das Herz noch den Muth
Als ihr Bruder Geiselher: der war getreu und auch gut.
Brunhild die schöne des Uebermuthes pflag: 1134
Wie viel Kriemhild weinte, was fragte sie darnach!
Sie war zu Lieb und Treue ihr nimmermehr bereit;
Bald schuf auch ihr Frau Kriemhild wohl so ungefüges Leid.