"Was tröstet mehr im Leide", sprach der kühne Mann, 1279
"Als freundliche Liebe? Wer die gewähren kann
Und hat sich den erkoren, der ihm zu Herzen kommt,
Der erfährt wohl, daß im Leide nichts so sehr als Liebe frommt.
"Und geruht ihr zu minnen den edeln Herren mein, 1280
Zwölf reicher Kronen sollt ihr gewaltig sein.
Dazu von dreißig Fürsten giebt euch mein Herr das Land,
Die alle hat bezwungen seine vielgewaltge Hand.
"Ihr sollt auch Herrin werden über manchen werthen Mann, 1281
Die meiner Frauen Helke waren unterthan,
Und viel der schönen Maide, einst ihrem Dienst gesellt,
Von hoher Fürsten Stamme," sprach der hochbeherzte Held.
"Dazu giebt euch der König, gebot er euch zu sagen, 1282
Wenn ihr geruht die Krone bei meinem Herrn zu tragen,
Gewalt die allerhöchste, die Helke je gewann:
Alle Mannen Etzels werden euch da unterthan."
"Wie möchte jemals wieder," sprach die Königin, 1283
"Eines Helden Weib zu werden gelüsten meinem Sinn?
Mir hat der Tod an Einem so bittres Leid gethan,
Daß ichs bis an mein Ende nimmermehr verschmerzen kann."
Die Heunen sprachen wieder: Viel reiche Königin, 1284
Das Leben geht bei Etzeln so herrlich euch dahin,
Daß ihr in Wonnen schwebet, weigert ihr es nicht;
Mancher ziere Degen steht in des reichen Königs Pflicht.
"Helkens Jungfrauen und eure Mägdelein, 1285
Sollten die beisammen je Ein Gesinde sein,
Dabei möchten Recken wohl werden wohlgemuth.
Laßt es euch rathen, Fraue, es bekommt euch wahrlich gut."
Sie sprach mit edler Sitte: "Nun laßt die Rede sein 1286
Bis morgen in der Frühe, dann tretet zu mir ein,
Daß ich auf die Werbung euch gebe den Bescheid."
Da musten Folge leisten die kühnen Degen allbereit.
Als zu den Herbergen sie kamen allzumal, 1287
Nach Geiselhern zu senden die edle Frau befahl
Und nach ihrer Mutter: den Beiden sagte sie,
Ihr gezieme nur zu weinen und alles Andere nie.
Da sprach ihr Bruder Geiselher: "Mir ahnt, Schwester mein, 1288
Und gerne mag ichs glauben, dein Leid und deine Pein
Wird König Etzel wenden; und nimmst du ihn zum Mann,
Was Jemand anders rathe, so dünkt es mich wohlgethan."