Als der Fürst mit seinem Weibe geritten kam vom Strand, 1433
Wer eine Jede führte, das ward da wohl benannt
Kriemhild der edeln: sie grüßte desto mehr.
Wie saß an Helkens Stelle sie bald gewaltig und hehr!

Getreulichen Dienstes ward ihr viel bekannt. 1434
Die Königin vertheilte Gold und Gewand,
Silber und Gesteine: was sie des überrhein
Zum Heunenlande brachte, das muste gar vergeben sein.

Auch wurden ihr mit Diensten ergeben allzumal 1435
Die Freunde des Königs und denen er befahl,
Daß Helke nie die Königin so gewaltiglich gebot,
Als sie ihr dienen musten bis an Kriemhildens Tod.

Da stand in solchen Ehren der Hof und auch das Land, 1436
Daß man zu allen Zeiten die Kurzweile fand,
Wonach einem Jeden verlangte Herz und Muth;
Das schuf des Königs Liebe, dazu der Königin Gut.

* * * * *

Dreiundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen gedachte.

In so hohen Ehren, das ist alles wahr, 1437
Wohnten sie beisammen bis an das siebte Jahr.
Eines Sohns war genesen derweil die Königin:
Das schien König Etzel der allergröste Gewinn.

Bis sie es erlangte, ließ sie nicht ab davon, 1438
Die Taufe must empfangen König Etzels Sohn
Nach christlichem Brauche: Ortlieb ward er genannt.
Darob war große Freude über Etzels ganzem Land.

Der Zucht, deren jemals zuvor Frau Helke pflag, 1439
Fliß sich Frau Kriemhild darauf gar manchen Tag.
Es lehrte sie die Sitte Herrat die fremde Maid;
Die trug noch in der Stille um Helke schmerzliches Leid.