Zu den Herbergen giengen Die von Heunenland. 1507
Der reiche König hatte die Freunde nun besandt.
Gunther der edle fragte Mann für Mann,
Was sie darüber dächten? Wohl Manche huben da an,

Er möge wohl reiten in König Etzels Land. 1508
Das riethen ihm die Besten, die er darunter fand.
Hagen nur alleine, dem war es grimmig leid.
Zum König sprach er heimlich: "Mit euch selbst seid ihr im Streit.

Ihr habt doch nicht vergeßen, was ihr von uns geschehn: 1509
Vor Kriemhilden müßen wir stäts in Sorge stehn.
Ich schlug ihr zu Tode den Mann mit meiner Hand:
Wie dürften wir wohl reiten hin in König Etzels Land?"

Da sprach der reiche König: "Meiner Schwester Zürnen schwand. 1510
Mit minniglichem Kusse, eh sie verließ dieß Land,
Hat sie uns verziehen, was wir an ihr gethan,
Es wäre denn, sie stände bei euch, Herr Hagen, noch an."

"Nun laßt euch nicht betrügen," sprach Hagen, "was auch sagen 1511
Diese Heunenboten: wollt ihrs mit Kriemhild wagen,
Da verliert ihr zu der Ehre Leben leicht und Leib:
Sie weiß wohl nachzutragen, dem König Etzel sein Weib!"

Da sprach vor dem Rathe der König Gernot: 1512
"Ihr mögt aus guten Gründen fürchten dort den Tod
In heunischen Reichen; ständen wir drum an
Und mieden unsre Schwester, das wär übel gethan."

Da sprach zu dem Degen der junge Geiselher: 1513
"Da ihr euch, Freund Hagen, schuldig wißt so sehr,
So bleibt hier im Lande, euer Heil zu weisen;
Nur laßt, die sichs getrauen, mit uns zu den Heunen fahren."

Darob begann zu zürnen von Tronje der Held: 1514
"Ich will nicht, daß euch Jemand sei bei der Fahrt gesellt,
Der an den Hof zu reiten sich mehr getraut als ich:
Wollt ihrs nicht bleiben laßen, ich beweis' es euch sicherlich."

Da sprach der Küchenmeister Rumold der Degen: 1515
"Der Heimischen und Fremden mögt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen: da habt ihr vollen Rath;
Ich glaube nicht, daß Hagen euch noch je vergeiselt hat.

"Wollt ihr nicht Hagen folgen, so räth euch Rumold, 1516
Der ich euch dienstlich gewogen bin und hold,
Daß ihr im Lande bleibet nach dem Willen mein
Und laßt den König Etzel dort bei Kriemhilden sein.