Die Sättel und die Schilde und all ihr Gewand, 1537
Das sie führen wollten in König Etzels Land,
War nun bereit und fertig für manchen kühnen Mann.
Etzels Spielleute rief man zu Gunthern heran.

Da die Boten kamen, begann Herr Gernot: 1538
"Der König will leisten, was Etzel uns entbot.
Wir wollen gerne kommen zu seiner Lustbarkeit
Und unsre Schwester sehen; daß ihr des außer Zweifel seid."

Da sprach der König Gunther: "Wißt ihr uns zu sagen, 1539
Wann das Fest beginnt, oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?" Da sprach Schwemmelein:
"Zur nächsten Sonnenwende da soll es in Wahrheit sein."

Der König erlaubte das, war noch nicht geschehn, 1540
Wenn sie Frau Brunhilden wünschten noch zu sehn,
Daß sie mit seinem Willen sprächen bei ihr an.
Dem widerstrebte Volker: da war ihr Liebes gethan.

"Es ist ja Frau Brunhild nun nicht so wohlgemuth, 1541
Daß ihr sie schauen möchtet," sprach der Ritter gut.
"Wartet bis morgen, so läßt man sie euch sehn."
Sie wähnten sie zu schauen, da konnt es doch nicht geschehn.

Da ließ der reiche König, er war den Boten hold, 1542
Aus eigner hoher Milde daher von seinem Gold
Auf breiten Schilden bringen; wohl war er reich daran.
Ihnen ward auch reiche Schenkung von seinen Freunden gethan.

Geiselher und Gernot, Gere und Ortewein, 1543
Wie sie auch milde waren, das leuchtete wohl ein:
So reiche Gaben boten sie den Boten an,
Daß sie's vor ihrem Herren nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem König der Bote Werbelein: 1544
"Herr König, laßt die Gaben nur hier im Lande sein.
Wir könnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot,
Daß wir Geschenke nähmen: auch thut es uns wenig Noth."

Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemuth, 1545
Daß sie verschmähen wollten so reichen Königs Gut.
Da musten sie empfahen sein Gold und sein Gewand,
Daß sie es mit sich führten heim in König Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen vor ihrer Wiederkehr. 1546
Die Spielleute brachte der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutter; sie entbot der Königin,
Wenn man ihr Ehre biete, so bedünk es sie Gewinn.