"Das Land sei dir befohlen und auch mein Söhnelein; 1574
Und diene wohl den Frauen: das ist der Wille mein.
Wen du weinen siehest, dem tröste Herz und Sinn;
Es wird uns nichts zu Leide Kriemhild thun, die Königin."

Eh man schied von dannen, berieth der König hehr 1575
Sich mit den höchsten Mannen; er ließ nicht ohne Wehr
Das Land und die Burgen: die ihrer sollten pflegen,
Zum Schutze ließ er denen manchen auserwählten Degen.

Die Rosse standen aufgezäumt den Mannen wie den Herrn: 1576
Mit minniglichem Kusse zog da Mancher fern,
Dem noch in hohem Muthe lebte Seel und Leib;
Das muste bald beweinen manches waidliche Weib.

Wehruf und Weinen hörte man genug; 1577
Auf dem Arm die Königin ihr Kind dem König trug:
"Wie wollt ihr so verwaisen uns beide auf ein Mal?
Verbleibet uns zu Liebe," sprach sein jammerreich Gemahl.

"Frau, ihr sollt nicht weinen um den Willen mein, 1578
Ihr mögt hier ohne Sorgen in hohem Muthe sein:
Wir kommen bald euch wieder mit Freuden wohl gesund."
Sie schieden von den Freunden minniglich zur selben Stund.

Als man die schnellen Recken sah zu den Rossen gehn, 1579
Fand man viel der Frauen in hoher Trauer stehn.
Daß sie auf ewig schieden, sagt' ihnen wohl der Muth:
Zu großem Schaden kommen, das thut Niemanden gut.

Die schnellen Burgunden begannen ihren Zug. 1580
Da ward in dem Lande das Treiben groß genug;
Beiderseits des Rheines weinte Weib und Mann.
Wie auch das Volk gebarte, sie fuhren fröhlich hindann.

Niblungens Helden zogen mit ihnen aus 1581
In tausend Halsbergen: die hatten dort zu Haus
Viel schöne Fraun gelaßen und sahn sie nimmermehr.
Siegfriedens Wunden die schmerzten Kriemhilden sehr.

Nur schwach in jenen Zeiten war der Glaube noch: 1582
Es sang ihnen Messe ein Kaplan jedoch:
Der kam gesund zurücke, obwohl aus großer Noth;
Die andern blieben alle dort im Heunenlande todt.

Da lenkten mit der Reise auf den Mainstrom an 1583
Hinauf durch Ostfranken Die Gunthern unterthan.
Hagen war ihr Führer, der war da wohlbekannt.
Ihr Marschall war Dankwart, der Held von Burgundenland.