Mit seinem Schildriemen, einer Borte schmal. 1624
Hin zu einem Walde wandt er das Schiff zu Thal.
Da fand er seinen Herren sein harren an dem Strand;
Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt.
Mit Gruß ihn wohl empfiengen die edeln Ritter gut: 1625
Sie sahen in dem Schiffe rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde, die er dem Fergen schlug:
Darüber muste Hagen fragen hören genug.
Als der König Gunther das heiße Blut ersah 1626
In dem Schiffe schweben, wie bald sprach er da:
"Wo ist denn, Herr Hagen, der Fährmann hingekommen?
Eure starken Kräfte haben ihm wohl das Leben benommen."
Da sprach er mit Verläugnen: "Als ich das Schifflein fand 1627
Bei einer wilden Weide, da löst' es meine Hand.
Ich habe keinen Fergen heute hier gesehn;
Leid ist auch Niemand von meinen Händen geschehn."
Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1628
"Heute muß ich bangen um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffmann hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen, darob muß ich in Sorgen stehn."
Laut rief da Hagen: "Legt auf den Boden her, 1629
Ihr Knechte, das Geräthe: ich gedenke, daß ich mehr
Der allerbeste Ferge war, den man am Rheine fand:
Ich bring euch hinüber gar wohl in Gelfratens Land."
Daß sie desto schneller kämen über Flut, 1630
Trieb man hinein die Mähren; ihr Schwimmen ward so gut,
Daß ihnen auch nicht eines der starke Strom benahm.
Einige trieben ferner, als sie Ermüdung überkam.
Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gut und ihre Wehr, 1631
Nun einmal ihre Reise nicht zu vermeiden mehr.
Hagen fuhr sie über; da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken in das unbekannte Land.
Zum ersten fuhr er über tausend Ritter hehr 1632
Und seine sechzig Degen; dann kamen ihrer mehr:
Neuntausend Knechte, die bracht er an das Land.
Des Tags war unmüßig des kühnen Tronejers Hand.
Das Schiff war ungefüge, stark und weit genug: 1633
Fünfhundert oder drüber es leicht auf einmal trug
Ihres Volks mit Speise und Waffen über Flut:
Am Ruder muste ziehen des Tages mancher Ritter gut.