Da sprach zu den Burgunden der milde Markgraf hehr, 1778
Rüdiger der edle: "Nun darf nicht länger mehr
Verhohlen sein die Kunde, daß wir nach Heunland kommen.
Es hat der König Etzel noch nie so Liebes vernommen."

Da ritt manch schneller Bote ins Oesterreicherland: 1779
So ward es allenthalben den Leuten bald bekannt,
Daß die Helden kämen von Worms über Rhein.
Dem Ingesind des Königs konnt es nicht lieber sein.

Die Boten vordrangen mit diesen Mären, 1780
Daß die Nibelungen bei den Heunen wären:
"Du sollst sie wohl empfangen, Kriemhild, Fraue mein:
Nach großen Ehren kommen dir die lieben Brüder dein."

Als die Königstochter vernahm die Märe, 1781
Zum Theil wich ihr vom Herzen ihr Leid, das schwere.
Aus ihres Vaters Lande zog Mancher ihr heran,
Durch den der König Etzel bald großen Jammer gewann.

"Nun wohl mir diese Freude," sprach da Kriemhild. 1782
"Hier bringen meine Freunde gar manchen neuen Schild
Und Panzer glänzend helle: wer nehmen will mein Gold
Und meines Leids gedenken, dem will ich immer bleiben hold."

Sie gedachte heimlich: "Noch wird zu Allem Rath. 1783
Der mich an meinen Freuden so gar gepfändet hat,
Weiß ich es zu fügen, es soll ihm werden leid
Bei diesem Gastgebote: dazu bin ich gern bereit.

"Ich will es also Schaffen, daß meine Rach ergeht 1784
Bei diesem Hofgelage, wie es hernach auch steht,
An seinem argen Leibe, der mir hat benommen
So viel meiner Wonne: des soll mir nun Entgeltung kommen."

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Achtundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild Hagen entpfieng.