Sie setzten vor dem Hause sich genüber einem Saal, 1852
Der war Kriemhilden, auf eine Bank zu Thal.
An ihrem Leibe glänzte ihr herrlich Gewand;
Gar Manche, die das sahen, hätten gern sie gekannt.

Wie die wilden Thiere gaffte sie da an, 1853
Die übermüthgen Helden, mancher Heuneumann.
Da sah sie durch ein Fenster Etzels Königin:
Das betrübte wieder der schönen Kriemhilde Sinn.

Sie gedacht ihres Leides; zu weinen hub sie an. 1854
Das wunderte die Degen, die Etzeln unterthan,
Was ihr bekümmert hätte so sehr den hohen Muth?
Da sprach sie: "Das that Hagen, ihr Helden kühn und auch gut."

Sie sprachen zu der Frauen: "Wie ist das geschehn? 1855
Wir haben euch doch eben noch wohlgemuth gesehn.
Wie kühn er auch wäre, der es euch hat gethan,
Befehlt ihr uns die Rache, den Tod müst er empfahn."

"Dem wollt ich immer danken, der rächte dieses Leid: 1856
Was er nur begehrte, ich wär dazu bereit.
"Ich fall euch zu Füßen," so sprach des Königs Weib:
"Rächt mich an Hagen: er verliere Leben und Leib."

Da rüsteten die Kühnen sich, sechzig an der Zahl: 1857
Kriemhild zu Liebe wollten sie vor den Saal
Und wollten Hagen schlagen, diesen kühnen Mann,
Dazu den Fiedelspieler; das ward einmüthig gethan.

Als so gering den Haufen die Königin ersah, 1858
In grimmem Muthe sprach sie zu den Helden da:
"Von solchem Unterfangen rath ich abzustehn:
Ihr dürft in so geringer Zahl nicht mit Hagen streiten gehn.

"So kühn auch und gewaltig Der von Tronje sei, 1859
Noch ist bei weitem stärker, der ihm da sitzet bei,
Volker der Fiedler: das ist ein übler Mann:
Wohl dürft ihr diesen Helden nicht zu so wenigen nahn."

Als sie die Rede hörten, rüsteten sich mehr 1860
Vierhundert Recken. Der Königin hehr
Lag sehr am Herzen die Rache für ihr Leid.
Da wurde bald den Degen große Sorge bereit.

Als sie ihr Gesinde wohlbewaffnet sah, 1861
Zu den schnellen Recken sprach die Königin da:
"Nun harrt eine Weile: ihr sollt noch stille stehn.
Ich will unter Krone hin zu meinen Feinden gehn.