Da sprach der kühne Volker: "Da wir nun selber sahn, 1892
Daß wir hie Feinde finden, wie man uns kund gethan,
So laß uns zu den Königen hin zu Hofe gehn,
So darf unsre Herren mit Kampfe Niemand bestehn."
"Gut, ich will euch folgen," sprach Hagen entgegen. 1893
Da giengen hin die Beiden, wo sie die zieren Degen
Noch harrend des Empfanges auf dem Hofe sahn.
Volker der kühne hub da laut zu reden an.
Er sprach zu seinen Herren: "Wie lange wollt ihr stehn 1894
Und euch drängen laßen? ihr sollt zu Hofe gehn
Und von dem König hören, wie der gesonnen sei."
Da sah man sich gesellen der kühnen Helden je zwei.
Dietrich von Berne nahm da an die Hand 1895
Gunther den reichen von Burgundenland;
Irnfried nahm Gernoten, diesen kühnen Mann;
Da gieng mit seinem Schwäher Geiselher zu Hof heran.
Wie bei diesem Zuge gesellt war Jeglicher, 1896
Volker und Hagen, die schieden sich nicht mehr
Als noch in Einem Kampfe bis an ihren Tod.
Das musten bald beweinen edle Fraun in großer Noth.
Da sah man mit den Königen hin zu Hofe ziehn 1897
Ihres edeln Ingesindes tausend Degen kühn;
Darüber sechzig Recken waren mitgekommen:
Die hatt aus seinem Lande der kühne Hagen genommen.
Hawart und Iring, zwei Degen auserkannt, 1898
Die giengen mit den Königen zu Hofe Hand in Hand;
Dankwart und Wolfhart, ein theuerlicher Degen,
Die sah man großer Hofzucht vor den übrigen pflegen.
Als der Vogt vom Rheine in den Pallas gieng, 1899
Etzel der reiche das länger nicht verhieng:
Er sprang von seinem Sitze, als er ihn kommen sah.
Ein Gruß, ein so recht schöner, nie mehr von Köngen geschah.
"Willkommen mir, Herr Gunther und auch Herr Gernot 1900
Und euer Bruder Geiselher, die ich hieher entbot
Mit Gruß und treuem Dienste von Worms überrhein,
Und eure Degen alle sollen mir willkommen sein.
"Laßt euch auch Willkommen, ihr beiden Recken, sagen, 1901
Volker der kühne und dazu Herr Hagen,
Mir und meiner Frauen hier in diesem Land:
Sie hat euch manche Botschaft hin zum Rheine gesandt."