* * * * *

Dreißigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.

Der Tag war nun zu Ende, es nahte sich die Nacht. 1912
Den reisemüden Recken war die Sorg erwacht,
Wann sie ruhen sollten und zu Bette gehn.
Zur Sprache bracht es Hagen: Bescheid ist ihnen geschehn.

Zu dem Wirthe sprach da Gunther: "Gott laß euchs wohlgedeihn: 1913
Wir wollen schlafen gehen, mag es mit Urlaub sein.
Wenn ihr das gebietet, kommen wir morgen fruh."
Der Wirth entließ die Gaste wohlgemuth zu ihrer Ruh.

Von allen Seiten drängen man die Gäste sah. 1914
Volker der kühne sprach zu den Heunen da:
"Wie dürft ihr uns Recken so vor die Füße gehn?
Und wollt ihr das nicht meiden, so wird euch übel geschehn.

"So schlag ich Dem und Jenem so schweren Geigenschlag, 1915
Hat er einen Treuen, daß ders beweinen mag.
Nun weicht vor uns Recken, fürwahr, mich dünkt es gut:
Es heißen Alle Degen und haben doch nicht gleichen Muth."

Als in solchem Zorne sprach der Fiedelmann, 1916
Hagen der kühne sich umzuschaun begann.
Er sprach: "Euch räth zum Heile der kühne Fiedeler.
Geht zu den Herbergen, ihr in Kriemhildens Heer.

"Was ihr habt im Sinne, es fügt sich nicht dazu: 1917
Wollt ihr was beginnen, so kommt uns morgen fruh
Und laßt uns Reisemüden heut in Frieden ruhn.
Ich glaube, niemals werden es Helden williger thun."

Da brachte man die Gäste in einen weiten Saal, 1918
Zur Nachtruh eingerichtet den Recken allzumal
Mit köstlichen Betten, lang zumal und breit.
Gern schuf ihnen Kriemhild das allergrößeste Leid,