"Wenn wir dann Beide kämen in den Streit, 1939
So möchten ihrer zweie oder vier in kurzer Zeit
Zu dem Hause springen und schüfen solche Noth
Drinnen an den Schlafenden, daß wir bereuten bis zum Tod."
Da sprach wieder Volker: "So laßt es nur geschehn, 1940
Daß sie inne werden, wir haben sie gesehn:
So können uns nicht läugnen Die Kriemhild unterthan,
Daß sie gerne treulos an den Gästen hätten gethan."
Da rief der Fiedelspieler den Heunen entgegen: 1941
"Wie geht ihr so bewaffnet, ihr behenden Degen?
Wollt ihr morden reiten, ihr Kriemhild unterthan?
So nehmt mich zur Hülfe und meinen Heergesellen an,"
Niemand gab ihm Antwort; zornig war sein Muth: 1942
"Pfui, feige Bösewichter," sprach der Degen gut,
"Im Schlaf uns zu ermorden, schlicht ihr dazu heran?
Das ward so guten Helden bisher noch selten gethan."
Bald ward auch die Märe der Königin bekannt 1943
Vom Abzug ihrer Boten: wie schwer sie das empfand!
Da fügte sie es anders; gar grimmig war ihr Muth.
Da musten bald verderben viel der Helden kühn und gut.
* * * * *
Einunddreißigstes Abenteuer.
Wie die Herren zur Kirche giengen.
"Mir wird so kühl der Harnisch," sprach da Volker: 1944
"Die Nacht, wähn ich, wolle nun nicht währen mehr.
Ich fühl es an den Lüften, es ist nicht weit vom Tag."
Da weckten sie gar Manchen, der da im Schlafe noch lag.
Da schien der lichte Morgen den Gästen in den Saal. 1945
Hagen begann zu fragen die Recken allzumal,
Ob sie zum Münster wollten in die Messe heut.
Nach christlichen Sitten erscholl der Glocken Geläut.