Als zu Rossen kamen die Fürsten und ihr Herr, 1966
Da begann zu rathen der kühne Volker,
Sie sollten buhurdieren nach ihres Landes Sitten.
Da wurde von den Helden bald gar herrlich geritten.
Was der Held gerathen, Niemanden wohl verdroß; 1967
Der Buhurd und der Waffenklang wurden beide groß.
In dem weiten Hofe kam da mancher Mann;
Etzel mit Kriemhild es selbst zu schauen begann.
Auf den Buhurd kamen sechshundert Degen. 1968
Dietrichens Recken, den Gästen entgegen.
Mit den Burgunden wollten sie sich im Spiel ergehn;
Wollt es ihr Herr vergönnen, so wär es gerne geschehn.
Hei! Was gute Recken ritten da heran! 1969
Dietrich dem Helden ward es kund gethan.
Mit Gunthers Ingesinde das Spiel er verbot;
Er schonte seiner Leute: das that ihm sicherlich Noth.
Als Dietrichs Gefolge so vermied den Streit, 1970
Da kamen von Bechlaren Rüdigers Geleit,
Fünfhundert unter Schilden, vor den Saal geritten.
Leid wars dem Markgrafen: er hätt es gern nicht gelitten.
Er kam zu ihnen eilends gedrungen durch die Schar 1971
Und sagte seinen Mannen: sie würden selbst gewahr,
Daß im Unmuth wären Die Gunthern unterthan:
Wenn sie das Kampfspiel ließen, so wär ihm Liebes gethan.
Als von ihnen schieden die Helden allbereit, 1972
Da kamen die von Thüringen, hörten wir Bescheid,
Und vom Dänenlande der Kühnen tausend Mann.
Von Stichen sah man fliegen viel der Splitter hoch hinan.
Irnfried und Hawart ritten zum Buhurd hin; 1973
Ihrer harrten Die vom Rheine mit hochfährtgem Sinn
Zum Lanzenspiel mit Denen vom Thüringerland:
Durchbohrt von Stichen wurde mancher schöne Schildesrand.
Da kam der Degen Blödel, dreitausend in der Schar. 1974
Etzel und Kriemhild nahmen sein wohl war,
Da vor ihnen Beiden das Ritterspiel geschah.
Die Königin es gerne aus Haß der Burgunden sah.
Sie gedacht in ihrem Sinne, schier wärs auch so geschehn: 1975
"Und thäten sie wem Leides, so dürft ich mich versehn,
Daß es zum Ernste käme: an den Feinden mein
Würd ich dann gerochen; des wollt ich ohne Sorge sein."