"Nicht also, Herr Blödel, ich bin dir immer hold: 2006
Ich gebe dir zum Lohne mein Silber und mein Gold
Und eine schöne Witwe, Nudungens Weib:
So magst du immer kosen ihren minniglichen Leib.
"Das Land zu den Burgen, Alles geb ich dir, 2007
So lebst du, theurer Ritter, in Freuden stäts mit ihr,
Wenn du die Mark gewinnest, die Nudung einst besaß.
Was ich dir hier gelobe, mit Treuen leist ich dir das."
Als Blödel bieten hörte des Lohnes also viel 2008
Und ihrer Schöne willen die Frau ihm wohlgefiel,
Im Kampf verdienen wollt er das minnigliche Weib.
Da muste dieser Recke verlieren Leben und Leib.
Er sprach zu der Königin: "Geht wieder in den Saal. 2009
Eh man es inne werde, erheb ich großen Schall.
Hagen muß es büßen, was er euch hat gethan:
Ich bring euch gebunden König Gunthers Unterthan."
"Nun waffnet euch," sprach Blödel, "ihr all in meinem Lehn, 2010
Wir wollen zu den Feinden in die Herberge gehn.
Mir will es nicht erlaßen König Etzels Weib:
Wir Helden müßen alle verwagen Leben und Leib."
Als den Degen Blödel entließ die Königin, 2011
Daß er den Streit begänne, zu Tische gieng sie hin
Mit Etzeln dem Könige und manchem Unterthan.
Sie hatte schlimme Räthe wider die Gäste gethan.
Wie sie zu Tische giengen, das will ich euch sagen: 2012
Man sah reiche Könige die Krone vor ihr tragen;
Manchen hohen Fürsten und viel der werthen Degen
Sah man großer Demuth vor der Königin pflegen.
Der König wies den Gästen die Sitze überall, 2013
Den Höchsten und den Besten neben sich im Saal.
Den Christen und den Heiden die Kost er unterschied;
Man gab die Fülle beiden, wie es der weise König rieth.
In der Herberge aß ihr Ingesind: 2014
Von Truchsäßen ward es da allein bedient;
Die hatten es zu speisen großen Fleiß gepflogen.
Die Bewirtung und die Freude ward bald mit Jammer aufgewogen.
Da nicht anders konnte erhoben sein der Streit, 2015
Kriemhilden lag im Herzen begraben altes Leid,
Da ließ sie zu den Tischen tragen Etzels Sohn:
Wie könnt ein Weib aus Rache wohl entsetzlicher thun?