Dann sann auf hohe Minne Sieglindens Kind: 50
All der Andern Werben war wider ihn ein Wind.
Er mochte wohl verdienen ein Weib so auserwählt:
Bald ward die edle Kriemhild dem kühnen Siegfried vermählt.

Ihm riethen seine Freunde und Die in seinem Lehn, 51
Hab er stäte Minne sich zum Ziel ersehn,
So soll er werben, daß er sich der Wahl nicht dürfe schämen.
Da sprach der edle Siegfried: "So will ich Kriemhilden nehmen,

"Die edle Königstochter von Burgundenland, 52
Um ihre große Schöne. Das ist mir wohl bekannt,
Kein Kaiser sei so mächtig, hätt er zu frein im Sinn,
Dem nicht zum minnen ziemte diese reiche Königin."

Solche Märe hörte der König Siegmund. 53
Es sprachen seine Leute: also ward ihm kund
Seines Kindes Wille. Es war ihm höchlich leid,
Daß er werben wolle um diese herrliche Maid.

Es erfuhr es auch die Königin, die edle Siegelind: 54
Die muste große Sorge tragen um ihr Kind,
Weil sie wohl Gunthern kannte und Die in seinem Heer
Die Werbung dem Degen zu verleiden fliß man sich sehr.

Da sprach der kühne Siegfried: "Viel lieber Vater mein, 55
Ohn edler Frauen Minne wollt ich immer sein,
Wenn ich nicht werben dürfte nach Herzensliebe frei."
Was Jemand reden mochte, so blieb er immer dabei.

"Ist dir nicht abzurathen," der König sprach da so, 56
"So bin ich deines Willens von ganzem Herzen froh
Und will dirs fügen helfen, so gut ich immer kann;
Doch hat der König Gunther manchen hochfährtgen Mann.

"Und wär es anders Niemand als Hagen der Degen, 57
Der kann im Uebermuthe wohl der Hochfahrt pflegen,
So daß ich sehr befürchte, es mög uns werden leid,
Wenn wir werben wollen um diese herrliche Maid."

"Wie mag uns das gefährden!" hub da Siegfried an: 58
"Was ich mir im Guten da nicht erbitten kann,
Will ich schon sonst erwerben mit meiner starken Hand,
Ich will von ihm erzwingen so die Leute wie das Land."

"Leid ist mir deine Rede," sprach König Siegmund, 59
"Denn würde diese Märe dort am Rheine kund,
Du dürftest nimmer reiten in König Gunthers Land.
Gunther und Gernot die sind mir lange bekannt.