Da sahen Blödels Mannen, ihr Herr sei erschlagen; 2033
Das wollten sie den Gästen länger nicht vertragen.
Mit aufgehobnen Schwertern auf die Knappen ein
Drangen sie mit Ingrimm: das muste Manchen gereun.

Laut rief da Dankwart all die Knappen an: 2034
"Ihr seht wohl, edle Knechte, es ist um uns gethan,
Nun wehrt euch, ihr Armen, wie euch zwingt die Noth,
Daß ihr ohen Schanden erliegt in wehrlichem Tod."

Die nicht Schwerter hatten, die griffen vor die Bank, 2035
Vom Boden aufzuheben manchen Schemel lang.
Die Burgundenknechte wollten nichts vertragen:
Mit schweren Stühlen sah man starker Beulen viel geschlagen.

Wie grimm die armen Knappen sich wehrten in dem Strauß! 2036
Sie trieben zu dem Hause die Gewaffneten hinaus:
Fünfhundert oder drüber erlagen drin dem Tod.
Da war das Ingesinde vom Blute naß und auch roth.

Diese schwere Botschaft drang in kurzer Zeit 2037
Zu König Etzels Recken: ihnen wars grimmig leid,
Daß mit seinen Mannen Blödel den Tod gewann;
Das hatte Hagens Bruder mit den Knechten gethan.

Eh es vernahm der König, stand schon ein Heunenheer 2038
In hohem Zorn gerüstet, zweitausend oder mehr.
Sie giengen zu den Knechten, es muste nun so sein,
Und ließen des Gesindes darin nicht Einen gedeihn.

Die Ungetreuen brachten vors Haus ein mächtig Heer. 2039
Die landlosen Knechte standen wohl zu Wehr.
Was half da Kraft und Kühnheit? sie fanden doch den Tod.
Darnach in kurzer Weile hob sich noch grimmere Noth.

Nun mögt ihr Wunder hören und Ungeheures sagen: 2040
Neuntausend Knechte lagen todt geschlagen,
Darüber zwölf Ritter in Dankwartens Lehn.
Man sah ihn weltalleine noch bei seinen Feinden stehn.

Der Lärm war beschwichtigt, das Tosen eingestellt. 2041
Ueber die Achsel blickte Dankwart der Held:
Er sprach: "O weh der Freunde, die ich fallen sah!
Nun steh ich leider einsam unter meinen Feinden da."

Die Schwerter fielen heftig auf des Einen Leib: 2042
Das muste bald beweinen manches Helden Weib.
Den Schild rückt' er höher, der Riemen ward gesenkt:
Mit rothem Blute sah man noch manchen Harnisch getränkt.