Die noch draußen standen, die trieb man in den Saal 2221
Mit Schlägen und mit Schüßen: da gab es lauten Schall.
Doch wollten sich nicht scheiden die Fürsten und ihr Heer:
Sie ließen von der Treue zu einander nicht mehr.
Den Saal in Brand zu stecken gebot da Etzels Weib. 2222
Da quälte man den Helden mit Feuersglut den Leib.
Das Haus vom Wind ergriffen gerieth in hohen Brand.
Nie wurde solcher Schrecken noch einem Volksheer bekannt.
Da riefen Viele drinnen: "O weh dieser Noth! 2223
Da möchten wir ja lieber im Sturm liegen todt.
Das möge Gott erbarmen; wie sind wir all verlorn!
Wie grimmig rächt die Königin an uns allen ihren Zorn!"
Da sprach darinnen Einer: "Wir finden hier den Tod 2224
Vor Rauch und vor Feuer: wie grimm ist diese Noth!
Mir thut vor starker Hitze der Durst so schrecklich weh,
Ich fürchte, mein Leben in diesen Nöthen zergeh!"
Da sprach von Tronje Hagen: "Ihr edlen Ritter gut, 2225
Wen der Durst will zwingen, der trinke hier das Blut.
Das ist in solcher Hitze beßer noch als Wein;
Es mag halt zu trinken hier nichts Beßeres sein."
Hin gieng der Recken Einer, wo er einen Todten fand: 2226
Er kniet' ihm zu der Wunde, den Helm er niederband.
Da begann er zu trinken das fließende Blut.
So wenig ers gewohnt war, er fand es köstlich und gut.
"Nun lohn euch Gott, Herr Hagen," sprach der müde Mann, 2227
"Daß ich von eurer Lehre so guten Trank gewann.
Man schenkte mir selten noch einen beßern Wein.
So lang ich leben bleibe will ich euch stäts gewogen sein."
Als das die Andern hörten, es däuchte ihn so gut, 2228
Da fanden sich noch Viele, die tranken auch das Blut.
Davon kam zu Kräften der guten Recken Leib:
Des entgalt an lieben Freunden bald manches waidliche Weib.
Das Feuer fiel gewaltig auf sie in den Saal: 2229
Sie wandten mit den Schilden es von sich ab im Fall.
Der Rauch und auch die Hitze schmerzten sie gar sehr.
Also großer Jammer geschieht wohl Helden nimmer mehr.
Da sprach von Tronje Hagen: "Stellt euch an die Wand; 2230
Laßt nicht die Brände fallen auf eurer Helme Band
Und tretet sie mit Füßen tiefer in das Blut.
Eine üble Hochzeit ist es, zu der die Königin uns lud."