Dem Heergesinde Etzels war erregt der Muth, 2241
Daß sie verdienen wollten Frau Kriemhildens Gut
Und alles willig leisten, was der Fürst gebot:
Da muste bald noch Mancher von ihnen schauen den Tod.

Von Verheißen und von Gaben mochte man Wunder sagen: 2242
Sie ließ ihr Gold, das rothe, auf Schilden vor sich tragen;
Sie gab es Jedem willig, Der es wollt empfahn.
Nie wurden wider Feinde so große Schätze verthan.

Gewaffnet trat der Recken eine große Macht zur Thür. 2243
Da sprach der Fiedelspieler. "Wir sind noch immer hier:
So gern sah ich Helden zum Streiten nimmer kommen,
Als die das Gold des Königs uns zu verderben genommen."

Da riefen ihrer Viele: "Nur näher zu dem Streit! 2244
Da wir doch fallen müßen, so thun wirs gern bei Zeit.
Hier wird Niemand bleiben, als wer doch sterben soll."
Da staken ihre Schilde gleich von Sperschüßen voll.

Was soll ich weiter sagen? Wohl zwölfhundert Degen 2245
Versuchtens auf und nieder mit starken Schwertesschlägen.
Da kühlten an den Feinden die Gäste wohl den Muth.
Kein Friede war zu hoffen, drum sah man fließen das Blut

Aus tiefen Todeswunden: Deren wurden viel geschlagen. 2246
Man hörte nach den Freunden Jeglichen klagen.
Die Biedern starben alle dem reichen König hehr:
Da hatten liebe Freunde nach ihnen Leid und Beschwer.

* * * * *

Siebenunddreißigstes Abenteuer.

Wie Rüdiger erschlagen ward.

Die Heimathlosen hatten am Morgen viel gethan. 2247
Der Gemahl Gotlindens kam zu Hof heran
Und sah auf beiden Seiten des großen Leids Beschwer:
Darüber weinte inniglich der getreue Rüdiger.