Er frag, wohin sie wollten. "Wir wollen mit euch hin; 2365
Ob von Tronje Hagen wohl dann noch ist so kühn,
Mit Spott zu euch zu reden, wie ihm zu thun gefällt?"
Als er die Rede hörte, erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der kühne Volker wohlgewaffnet gehn 2366
Die Recken von Berne in Dietrichens Lehn,
Die Schwerter umgegürtet, die Schilde vor der Hand:
Er sagt' es seinen Herren aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler: "Dorten seh ich nahn 2367
Recht in Feindesweise Die Dietrich unterthan,
Gewaffnet unter Helmen: sie wollen uns bestehn.
Nun wird es an das Ueble mit uns Fremdlingen gehn."

Es währte nicht lange, so kam auch Hildebrand: 2368
Da setzt' er vor die Füße seinen Schildesrand
Und begann zu fragen Die Gunthern unterthan:
"O weh, ihr guten Degen, was hatt euch Rüdiger gethan?

"Mich hat mein Herr Dietrich her zu euch gesandt, 2369
Ob erschlagen liege, Helden, von eurer Hand
Dieser edle Markgraf, wie man uns gab Bescheid?
Wir könnten nicht verwinden also schweres Herzeleid."

Da sprach der grimme Hagen: "Die Mär ist ungelogen, 2370
Wie gern ichs euch gönnte, wärt ihr damit betrogen,
Rüdigern zu Liebe: so lebt' er uns noch,
Den nie genug beweinen mögen Fraun und Mannen doch."

Als sie das recht vernahmen, Rüdiger sei todt, 2371
Da beklagten ihn die Recken, wie ihre Treu gebot.
Dietrichens Mannen sah man die Thränen gehn
Uebern Bart zum Kinne: viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog von Bern sprach zuhand: 2372
"O weh, wie all die Güte hier gar ein Ende fand,
Die uns Rüdiger hier schuf nach unsers Leides Tagen:
Der Trost der Heimathlosen liegt von euch Degen erschlagen."

Da sprach von Amelungen der Degen Wolfwein: 2373
"Und wenn ich vor mir liegen hier säh, den Vater mein,
Mir würde nimmer leider als um Rüdgers Tod.
O weh, wer soll nun trösten die Markgräfin in ihrer Noth?"

Do sprach im Zornmuthe der kühne Wolfhart: 2374
"Wer leitet nun die Recken auf mancher Heerfahrt,
Wie von dem Markgrafen so oft geschehen ist?
O weh, viel edler Rüdiger, daß du uns so verloren bist!"