Da wollt er zu ihm springen doch blieb nicht frei die Bahn. 2385
Hildebrand sein Oheim hielt ihn mit Kräften an.
"Ich seh, du willst wüthen in deinem dummen Zorn;
Nun hätten wir auf immer meines Herren Huld verlorn."
"Laßt los den Leuen, Meister, er hat so grimmigen Muth; 2386
Doch kommt er mir zu nahe," sprach Volker der Degen gut,
"Hätt er mit seinen Händen die ganze Welt erlagen,
Ich schlag ihn, daß er nimmermehr ein Widerwort weiß zu sagen."
Darob ergrimmte heftig den Bernern der Muth. 2387
Den Schild ruckte Wolfhart, ein schneller Recke gut,
Gleich einem wilden Leuen lief er auf ihn an.
Die Schar seiner Freunde ihm rasch zu folgen begann.
Mit weiten Sprüngen setzt' er bis vor des Saales Wand; 2388
Doch ereilt' ihn vor der Stiege der alte Hildebrand:
Er wollt ihn vor ihm selber nicht laßen in den Streit.
Zu ihrem Willen fanden sie gern die Gäste bereit.
Da sprang hin zu Hagen Meister Hildebrand: 2389
Man hörte Waffen klingen an der Helden Hand.
Sie waren sehr im Zorne, das zeigte sich geschwind:
Von der Beiden Schwertern gieng der feuerrothe Wind.
Da wurden sie geschieden in des Streites Noth: 2390
Das thaten die von Berne, wie Kraft und Muth gebot.
Als sich von Hagen wandte Meister Hildebrand,
Da kam der starke Wolfhart auf den kühnen Volker gerannt.
Auf den Helm dem Fiedler schlug er solchen Schwang, 2391
Daß des Schwertes Schärfe durch die Spangen drang.
Das vergalt mit Ungestüm der kühne Fiedelmann:
Da schlug er Wolfharten, daß er zu sprühen begann.
Feuers aus den Panzern hieben sie genug; 2392
Grimmen Haß Jedweder zu dem Andern trug.
Da schied sie von Berne der Degen Wolfwein;
Wär er kein Held gewesen, so konnte das nimmer sein.
Gunther der kühne mit williger Hand 2393
Empfieng die hehren Helden aus Amelungenland.
Geiselher der junge die lichten Helme gut
Macht' er in dem Sturme Manchem naß und roth von Blut.
Dankwart, Hagens Bruder, war ein grimmer Mann: 2394
Was er zuvor im Streite Herrliches gethan
An König Etzels Recken, das schien nun gar ein Wind:
Nun erst begann zu toben des kühnen Aldrians Kind.