"Und dünkt sich denn von Berne der Degen Dieterich 2442
Gar so starkes Leibes und so fürchterlich.
Und will ers an uns rächen was ihm ist geschehn,"
Also sprach da Hagen, "ich bin wohl Mann ihn zu bestehn."

Die Rede hörte Dietrich mit Meister Hildebrand. 2443
Er kam, wo er die Recken beide stehen fand
Außen vor dem Hause, gelehnt an den Saal.
Seinen Schild den guten, den setzte Dietrich zu Thal.

In leidvollen Sorgen sprach da Dietrich: 2444
"Wie habt ihr so geworben, Herr Gunther, wider mich,
Einen Heimathlosen? Was that ich euch wohl je,
Daß alles meines Trostes ich nun verwaiset mich seh?

"Ihr fandet nicht Genüge an der großen Noth, 2445
Als ihr uns Rüdigeren, den Recken, schluget todt:
Ihr missgönntet sie mir alle, Die mir unterthan.
Wohl hätt ich solchen Leides euch Degen nimmer gethan.

"Gedenkt an euch selber und an euer Leid, 2446
Eurer Freunde Sterben und all die Noth im Streit,
Ob es euch guten Degen nicht beschwert den Muth.
O weh, wie so unsanft mir der Tod Rüdigers thut!

"So leid geschah auf Erden Niemanden je. 2447
Ihr gedachtet wenig an mein und euer Weh.
Was ich Freuden hatte, das liegt von euch erschlagen:
Wohl kann ich meine Freunde nimmer genug beklagen."

"Wir sind wohl nicht so schuldig," sprach Hagen entgegen. 2448
"Zu diesem Hause kamen alle eure Degen
Mit großem Fleiß gewaffnet in einer breiten Schar.
Man hat euch wohl die Märe nicht gesagt, wie sie war."

"Was soll ich andere glauben? mir sagt Hildebrand: 2449
Euch baten meine Recken vom Amelungenland,
Daß ihr ihnen Rüdigern gäbet aus dem Haus:
Da botet ihr Gespötte nur meinen Recken heraus."

Da sprach der Vogt vom Rheine: "Sie wollten Rüdgern tragen, 2450
Sagten sie, von hinnen: das ließ ich versagen
Etzeln zum Trotze, nicht aber deinem Heer,
Bis darob zu schelten Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne: "Es sollte nun so sein. 2451
Gunther, edler König, bei aller Tugend dein
Ersetze mir das Herzeleid, das mir von dir geschehn;
Versühn es, kühner Ritter, so laß ichs ungerochen gehn.