Da gieng ihm hin entgegen von Bern Herr Dieterich. 2472
Gunthers Kräfte waren stark und ritterlich;
Da säumt' er sich nicht länger, er rannte vor den Saal.
Von ihrer Beider Schwertern erhob sich mächtiger Schall.
So großen Ruhm erstritten Dietrich seit alter Zeit, 2473
In seinem Zorne tobte Gunther zu sehr im Streit:
Er war nach seinem Leide von Herzen feind dem Mann.
Ein Wunder must es heißen, daß da Herr Dietrich entrann.
Sie waren alle Beide so stark und muthesvoll, 2474
Daß von ihren Schlägen Pallas und Thurm erscholl,
So hieben sie mit Schwertern auf die Helme gut.
Da zeigte König Gunther einen herrlichen Muth.
Doch zwang ihn Der von Berne, wie Hagnen war geschehn. 2475
Man mochte durch den Panzer das Blut ihm fließen sehn
Von einem scharfen Schwerte: das trug Herr Dieterich
Doch hatte sich Herr Gunther gewehrt, der müde, ritterlich.
Der König ward gebunden von Dietrichens Hand, 2476
Wie nimmer Könige sollten leiden solch ein Band.
Er dachte, ließ' er ledig Gunthern und seinen Mann,
Wem sie begegnen möchten, die müsten all den Tod empfahn.
Dietrich von Berne nahm ihn bei der Hand, 2477
Er führt' ihn hin gebunden, wo er Kriemhilden fand.
Ihr war mit seinem Leide des Kummers viel benommen.
Sie sprach: "König Gunther, nun seid mir höchlich willkommen."
Er sprach: "Ich müst euch danken, viel edle Schwester mein, 2478
Wenn euer Gruß in Gnaden geschehen könnte sein.
Ich weiß euch aber, Königin, so zornig von Muth,
Daß ihr mir und Hagen solchen Gruß im Spotte thut."
Da sprach der Held von Berne: "Königstochter hehr, 2479
So gute Helden sah, man als Geisel nimmermehr
Als ich, edle Königin, bracht in eure Hut.
Nun komme meine Freundschaft den Heimathlosen zu Gut."
Sie sprach, sie thät es gerne. Da gieng Herr Dieterich 2480
Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich.
Da rächte sich entsetzlich König Etzels Weib:
Den auserwählten Recken nahm sie Leben und Leib.
Sie ließ sie gesondert in Gefängniss legen, 2481
Daß sich nie im Leben wiedersahn die Degen,
Bis sie ihres Bruders Haupt hin vor Hagen trug.
Kriemhildens Rache ward an Beiden grimm genug.