Die da sterben sollen, die lagen all umher: 2492
Zu Stücken lag verhauen die Königin hehr.
Dietrich und Etzel huben zu weinen an
Und jämmerlich zu klagen manchen Freund und Unterthan.

Da war der Helden Herrlichkeit hingelegt im Tod: 2493
Die Leute hatten alle Jammer und Noth.
Mit Leide war beendet des Königs Lustbarkeit,
Wie immer Leid die Freude am lezten Ende verleiht.

Ich kann euch nicht bescheiden, was seither geschah, 2494
Als daß man immer weinen Christen und Heiden sah,
Die Ritter und die Frauen und manche schöne Maid:
Sie hatten um die Freunde das allergrößeste Leid.

Ich sag euch nun nicht weiter von der großen Noth: 2495
Die da erschlagen waren, die laßt liegen todt.
Wie es im Heunenlande dem Volk hernach gerieth,
Hie hat die Mär ein Ende: das ist das Nibelungenlied.

* * * * *

Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.

Hildebrand im Zorne zu Kriemhilden sprang.
Er schlug der Königstochter einen schweren Schwertesschwang,
Mitten wo die Borte den Leib ihr hatt umgeben.
Davon die Königstochter verlieren must ihr werthes Leben.

Das Schwert schnitt so heftig daß sie nichts empfand,
Das sie unsanft hätte berührt; sie sprach zuhand:
"Dein Waffen ist erblindet, du sollst es von dir legen:
Es ziemt nicht, daß es trage solch ein zierlicher Degen."

Da zog er von dem Finger ein golden Ringelein
Und warfs ihr vor die Füße: "Hebt ihr das Fingerlein
Vom Boden auf, so spracht ihr die Wahrheit, edel Weib."
Sie bückte sich zum Golde: da brach entzwei ihr werther Leib.

So war auch erlegen Kriemhild, o weh der Noth:
Wie so gar unmüßig war da der Tod.
Dietrich und Etzel huben zu weinen an,
Und inniglich klagen sah man so Weib als Mann.