"Dazu die reichen Könige die schlug er beide todt. 100
Er kam durch Albrichen darauf in große Noth:
Der wollte seine Herren rächen allzuhand,
Eh er die große Stärke noch an Siegfrieden fand.
"Mit Streit bestehen konnt ihn da nicht der starke Zwerg. 101
Wie die wilden Leuen liefen sie an den Berg,
Wo er die Tarnkappe Albrichen abgewann:
Da war des Hortes Meister Siegfried der schreckliche Mann.
"Die sich getraut zu fechten, die lagen all erschlagen. 102
Den Schatz ließ er wieder nach dem Berge tragen,
Dem ihn entnommen hatten Die Niblung unterthan.
Alberich der starke das Amt des Kämmrers gewann.
"Er must ihm Eide schwören, er dien ihm als sein Knecht, 103
Zu aller Art Diensten ward er ihm gerecht."
So sprach von Tronje Hagen: "Das hat der Held gethan;
Also große Kräfte nie mehr ein Recke gewann.
"Noch ein Abenteuer ist mir von ihm bekannt: 104
Einen Linddrachen schlug des Helden Hand;
Als er im Blut sich badete, ward hörnern seine Haut.
So versehrt ihn keine Waffe: das hat man oft an ihm geschaut.
"Man soll ihn wohl empfangen, der beste Rath ist das, 105
Damit wir nicht verdienen des schnellen Recken Haß.
Er ist so kühnes Sinnes, man seh ihn freundlich an:
Er hat mit seinen Kräften so manche Wunder gethan."
Da sprach der mächtge König: "Gewiss, du redest wahr: 106
Nun sieh, wie stolz er dasteht vor des Streits Gefahr,
Dieser kühne Degen und Die in seinem Lehn!
Wir wollen ihm entgegen hinab zu dem Recken gehn."
"Das mögt ihr," sprach da Hagen, "mit allen Ehren schon: 107
Er ist von edelm Stamme eines reichen Königs Sohn;
Auch hat er die Gebäre, mich dünkt, beim Herren Christ,
Es sei nicht kleine Märe, um die er hergeritten ist."
Da sprach der Herr des Landes: "Nun sei er uns willkommen. 108
Er ist kühn und edel, das hab ich wohl vernommen;
Des soll er auch genießen im Burgundenland."
Da gieng der König Gunther hin, wo er Siegfrieden fand.
Der Wirth und seine Recken empfiengen so den Mann, 109
Daß wenig an dem Gruße gebrach, den er gewann;
Des neigte sich vor ihnen der Degen ausersehn
In großen Züchten sah man ihn mit seinen Recken stehn.