Da hatte sich ein Recke auch aus der Feinde Schar 187
Erhoben auf die Warte, der wohl gewappnet war:
Den sah der Degen Siegfried und ihn der kühne Mann;
Jedweder auf den andern mit Zorn zu blicken begann.
Ich sag euch, wer der wäre, der hier der Warte pflag; 188
Ein lichter Schild von Golde ihm vor der Linken lag.
Es war der König Lüdegast, der hütete sein Heer.
Der edle Fremdling sprengte herrlich wider ihn einher.
Nun hatt auch ihn Herr Lüdegast sich feindlich erkoren: 189
Ihre Rosse reizten Beide zur Seite mit den Sporen;
Sie neigten auf die Schilde mit aller Macht den Schaft:
Da kam der hehre König darob in großer Sorgen Haft.
Dem Stich gehorsam trugen die Rosse pfeilgeschwind 190
Die Könige zusammen, als wehte sie der Wind;
Dann mit den Zäumen wandten sie ritterlich zurück:
Die grimmen Zwei versuchten da mit dem Schwerte das Glück.
Da schlug der Degen Siegfried, das Feld erscholl umher. 191
Aus dem Helme stoben, als obs von Bränden wär,
Die feuerrothen Funken von des Helden Hand;
Da stritt mit großen Kräften der kühne Vogt von Niederland.
Auch ihm schlug Herr Lüdegast manch grimmen Schlag; 192
Jedweder auf dem Schilde mit ganzer Stärke lag.
Da hatten es wohl dreißig erspäht aus seiner Schar:
Eh die ihm Hülfe brachten, der Sieg doch Siegfrieden war
Mit drei starken Wunden, die er dem König schlug 193
Durch einen lichten Harnisch; der war doch fest genug.
Das Schwert mit seiner Schärfe entlockte Wunden Blut;
Da gewann König Lüdegast einen traurigen Muth.
Er bat ihn um sein Leben und bot ihm all sein Land 194
Und sagt' ihm, er wäre Lüdegast genannt.
Da kamen seine Recken: die hatten wohl gesehn,
Was da von ihnen beiden auf der Warte war geschehn.
Er führt' ihn gern von dannen: da ward er angerannt 195
Von dreißig seiner Mannen; doch wehrte seine Hand
Seinen edeln Geisel mit ungestümen Schlägen.
Bald that noch größern Schaden dieser zierliche Degen.
Die Dreißig zu Tode wehrlich er schlug; 196
Ihrer Einen ließ er leben: der ritt da schnell genug
Und brachte hin die Märe von dem, was hier geschehn;
Auch konnte man die Wahrheit an seinem rothen Helme sehn.