Untrennbar im Kampfe waren die Fürsten hehr. 217
Ueber die Helme fliegen sah man manchen Sper
Durch die lichten Schilde von der Helden Hand;
Auch ward von Blut geröthet mancher herrliche Rand.

In dem starken Sturme sank da mancher Mann 218
Von den Rossen nieder. Einander rannten an
Siegfried der kühne und König Lüdeger;
Man sah da Schäfte fliegen und manchen schneidigen Sper.

Der Schildbeschlag des Königs zerstob vor Siegfrieds Hand. 219
Sieg zu erwerben dachte der Held von Niederland
An den kühnen Sachsen; die litten Ungemach.
Hei! was da lichte Panzer der kühne Dankwart zerbrach!

Da hatte König Lüdeger auf einem Schild erkannt 220
Eine gemalte Krone vor Siegfriedens Hand:
Da sah er wohl, es wäre der kraftreiche Mann.
Laut auf zu seinen Freunden der Held zu rufen begann:

"Begebt euch des Streites, ihr all mir unterthan! 221
Den Sohn König Siegmunds traf ich hier an,
Siegfried den starken hab ich hier erkannt;
Den hat der üble Teufel her zu den Sachsen gefandt."

Er gebot die Fahnen zu senken in dem Streit. 222
Friedens er begehrte: der ward ihm nach der Zeit;
Doch must er Geisel werden in König Gunthers Land:
Das hatt an ihm erzwungen des kühnen Siegfriedes Hand.

Nach allgemeinem Rathe ließ man ab vom Streit. 223
Viel zerschlagner Helme und der Schilde weit
Legten sie aus Händen; so viel man deren fand,
Die waren blutgeröthet von der Burgunden Hand.

Sie fiengen, wen sie wollten: sie hatten volle Macht. 224
Gernot und Hagen, die schnellen, hatten Acht,
Daß man die Wunden bahrte; da führten sie hindann
Gefangen nach dem Rheine der Kühnen fünfhundert Mann.

Die sieglosen Recken zum Dänenlande ritten. 225
Da hatten auch die Sachsen so tapfer nicht gestritten,
Daß man sie loben sollte: das war den Helden leid.
Da beklagten ihre Freunde die Gefallnen in dem Streit.

Sie ließen ihre Waffen aufsäumen nach dem Rhein. 226
Es hatte wohl geworben mit den Gefährten sein
Siegfried der starke und hatt es gut vollbracht:
Das must ihm zugestehen König Gunthers ganze Macht.