"So will ich euch rathen," begann da Hagen, 341
"Bittet Siegfrieden, mit euch zu tragen
Die Last dieser Sorge; das ist der beste Rath,
Weil er von Brunhilden so gute Kunde doch hat."

Er sprach: "Viel edler Siegfried, willst du mir Helfer sein 342
Zu werben um die Schöne? Thu nach der Bitte mein;
Und gewinn ich mir zur Trauten das herrliche Weib,
So verwag ich deinetwillen Ehre, Leben und Leib."

Zur Antwort gab ihm Siegfried, König Siegmunds Sohn: 343
"Ich will es thun, versprichst du die Schwester mir zum Lohn,
Kriemhild die schöne, eine Königin hehr:
So begehr ich keines Dankes nach meinen Arbeiten mehr."

"Das gelob ich," sprach Gunther, "Siegfried, dir an die Hand. 344
Und kommt die schöne Brunhild hieher in dieses Land,
So will ich dir zum Weibe meine Schwester geben:
So magst du mit der Schönen immer in Freuden leben."

Des schwuren sich Eide diese Recken hehr. 345
Da schuf es ihnen beiden viel Müh und Beschwer,
Eh sie die Wohlgethane brachten an den Rhein.
Es musten die Kühnen darum in großen Sorgen sein.

Von wilden Gezwergen hab ich hören sagen, 346
Daß sie in hohlen Bergen wohnen und Schirme tragen,
Die heißen Tarnkappen, von wunderbarer Art;
Wer sie am Leibe trage, der sei gar wohl darin bewahrt

Vor Schlägen und vor Stichen; ihn mög auch Niemand sehn, 347
So lang er drin verweile; hören doch und spähn
Mag er nach feinem Willen, daß Niemand ihn erschaut;
Ihm wachsen auch die Kräfte, wie uns die Märe vertraut.

Die Tarnkappe führte Siegfried mit hindann, 348
Die der kühne Degen mit Sorgen einst gewann
Von einem Gezwerge mit Namen Alberich.
Da schickten sich zur Reise Recken kühn und ritterlich.

Wenn der starke Siegfried die Tarnkappe trug, 349
So gewann er drinnen der Kräfte genug,
Zwölf Männer Stärke, so wird uns gesagt.
Er erwarb mit großen Listen diese herrliche Magd.

Auch war so beschaffen die Nebelkappe gut, 350
Ein Jeder mochte drinnen thun nach seinem Muth,
Was er immer wollte, daß ihn doch Niemand sah.
Damit gewann er Brunhild, durch die ihm bald viel Leid geschah.