"Willkommen sei mein Bruder und der Geselle sein. 361
Nun möcht ich gerne wissen," Sprach das Mägdelein,
"Was euch Herrn geliebe, daß ihr zu Hofe kommt:
Laßt mich doch hören, was euch edeln Recken frommt."
Da sprach König Gunther: "Frau, ich wills euch sagen. 362
Wir müßen große Sorge bei hohem Muthe tragen:
Wir wollen werben reiten fern in fremdes Land
Und hätten zu der Reise gerne zierlich Gewand."
"Nun sitzt, lieber Bruder," sprach das Königskind, 363
"Und laßt mich erst erfahren, Wer die Frauen sind,
Die ihr begehrt zu minnen in fremder Könge Land."
Die Auserwählten beide nahm das Mägdlein bei der Hand:
Hin gieng sie mit den Beiden, wo sie geseßen war 364
Auf prächtgen Ruhebetten, das glaubt mir fürwahr,
Mit eingewirkten Bildern, in Gold wohl erhaben.
Sie mochten bei der Frauen gute Kurzweile haben.
Freundliche Blicke und gütliches Sehn, 365
Des mochte von den Beiden da wohl viel geschehn.
Er trug sie in dem Herzen, sie war ihm wie sein Leben.
Er erwarb mit großem Dienste, daß sie ihm ward zu Weib gegeben.
Da sprach der edle König: "Viel liebe Schwester mein, 366
Ohne deine Hülfe kann es nimmer sein.
Wir wollen abenteuern in Brunhildens Land;
Da müßen wir vor Frauen tragen herrlich Gewand."
Da sprach die Königstochter: "Viel lieber Bruder mein, 367
Kann euch an meiner Hülfe dabei gelegen sein,
So sollt ihr inne werden, ich bin dazu bereit;
Versagte sie ein Andrer euch, das wäre Kriemhilden leid.
"Ihr sollt mich, edler Ritter, nicht in Sorgen bitten, 368
Ihr sollt nur gebieten mit herrlichen Sitten:
Was euch gefallen möge, dazu bin ich bereit
Und thus mit gutem Willen," sprach die wonnigliche Maid.
"Wir wollen, liebe Schwester, tragen gut Gewand: 369
Das soll bereiten helfen eure weiße Hand.
Laßt eure Mägdlein sorgen, daß es uns herrlich steht,
Da man uns diese Reise doch vergebens widerräth."
Da begann die Jungfrau: "Nun hört, was ich sage, 370
Wir haben selber Seide: befehlt, daß man uns trage
Gestein auf den Schilden, so schaffen wir das Kleid,
Das ihr mit Ehren traget vor der herrlichen Maid."