Von Hermelin und Zobel viel Kleider man da fand. 592
Da schmückte sich gar Manche den Arm und auch die Hand
Mit Spangen auf der Seide, die sie sollten tragen.
Es könnt euch dieß Befleißen Niemand wohl zu Ende sagen.

Viel Gürtel kunstgeschaffen, kostbar und lang, 593
Ueber lichte Kleider die Hand der Frauen schwang
Um edle Ferransröcke von Zeug aus Arabia,
Wie man sie besser in aller Welt nicht ersah.

Man sah in Brustgeschmeide manch schöne Maid 594
Minniglich sich schnüren. Die mochte tragen Leid,
Deren lichte Farbe das Kleid nicht überschien.
So schönes Ingesinde hat nun keine Königin.

Als die Minniglichen nun trugen ihr Gewand, 595
Die sie da führen sollten, die kamen unverwandt,
Die hochgemuthen Recken in großer Zahl daher;
Man bracht auch hin viel Schilde und manchen eschenen Sper.

* * * * *

Zehntes Abenteuer.

Wie Gunther mit Brunhild Hochzeit hielt.

Jenseits des Rheins sah man dem Gestad 596
Mit allen seinen Gästen den König schon genaht.
Da sah man auch am Zaume leiten manche Maid:
Die sie empfangen sollten, die waren alle bereit.

Als bei den Schiffen ankam von Isenland die Schar 597
Und die der Nibelungen, die Siegfried eigen war,
Sie eilten an das Ufer; wohl fliß sich ihre Hand,
Als man des Königs Freunde jenseits am Gestade fand.

Nun hört auch die Märe von der Königin, 598
Ute der reichen, wie sie die Mägdlein hin
Brachte von der Veste und selber ritt zum Strand.
Da wurden mit einander viel Maid' und Ritter bekannt.