In Form und Handhabung ähnelt der Fischdrachen unserem heimischen Papierdrachen sehr, nur ist er aus leichten Pflanzenblättern zusammengestellt und gegen den Winddruck durch dünne Stäbchen versteift. Wie man aus der [Abbildung 38] ersieht, paddelt der Fischer kräftig gegen den Wind; der Drache steigt, schleppt aber am Ende seines Schweifes einen Köder in Form eines Bündels zusammengewickelter Spinnwebfäden, in denen sich große Fische, wie Hornhechte, beim Hineinbeißen mit den Zähnen verfangen sollen. Der Köder hüpft bei der frischen Brise lustig über die Wellen dahin, so daß er die Aufmerksamkeit der Hornhechte sehr wohl erregen wird.
Bis hierher sind die Literaturangaben klar und unmißverständlich. Wie aber bringt der Fischer, falls er allein auszieht, den Drachen zum Steigen, und wie zieht er ihn, nachdem er am Zucken der Schnur das Anbeißen des Fisches festgestellt hat, ein, ohne daß der Drache ins Wasser fällt? Selbst die eingehenden Studien meines Mitarbeiters Dr. Plischke, der dem Fischdrachen zurzeit eine Monographie widmet, haben in den meisten dieser Punkte bisher keine Klarheit zu schaffen vermocht.
Abb. 39. Das mechanische Prinzip des Luftdrachens.
Physikalisch stellt der Luftdrache eine solche Häufung von Gesetzen dar, daß wir auf eine ausführliche Darlegung verzichten, uns vielmehr mit einer groben Analyse begnügen müssen. In der [Abbildung 39] stelle sp den horizontal im Schwerpunkt p der geneigten Drachenfläche bb angreifenden Winddruck dar. Nach dem Satz vom Kräfteparallelogramm zerlegt sich die Resultante pa in die Teilkraft pd, die wirkungslos an der Fläche entlang gleitet, und die Teilkraft pc, die senkrecht gegen die Fläche aufwärts drückt. Dorthin würde also der Drache gehoben, wenn er ohne Gewicht wäre. Da das nicht der Fall ist, setzt sich der Druck pc mit der in p senkrecht abwärts wirkenden Schwerkraft zu der Gesamtresultante pg zusammen. Die bei p befestigte Schnur ep nimmt die Richtung dieser Resultante an und hält ihr durch ihre Spannung das Gleichgewicht, d. h. der Drache schwebt beim Festhalten und steigt beim Nachlassen der Schnur. Die besonderen Einwirkungen des Schweifes auf Schwerpunkt, Schnurbefestigung usw. müssen wir hier als zuweit führend beiseite lassen.
[11. Licht und Schall.]
Zu dem Fischer mit dem Drachen gesellt sich der andere mit Wurfspeer und Bogen und Pfeil; während aber jener nur auf die angegebenen Teile Ozeaniens und Indonesiens beschränkt ist, kehrt dieser in allen Erdteilen wieder. Zudem muß zum mindesten der Speerwurf nach dem Fisch uralt sein, denn er wird gerade von den allertiefststehenden Völkern gern geübt. Der Bogen hingegen ist eine verhältnismäßig junge Erfindung, die bei uns einwandfrei erst von der jüngeren Steinzeit an nachweisbar ist.
Die naheliegende Frage ist nun: Wie hat sich der Schütze bei seinem Beginnen zu verhalten? Zielt er auf den Fisch selbst, oder über oder unter ihn? Daß ein Stock, wenn man ihn schräg ins Wasser hält, nach oben geknickt erscheint, beobachtet jedes Kind, es kann sich jedoch die Erscheinung nicht erklären. Später hört es dann im Unterricht von der Brechung des Lichts beim Übergang von einem Medium in ein anderes und sieht nunmehr die Sache schon mit etwas mehr Verständnis an. Ein gefälliger Erwachsener zeigt ihm schließlich den von dem alten griechischen Mathematiker Euklid schon vor 2200 Jahren angestellten Versuch mit der Silbermünze in der undurchsichtigen Schüssel, worauf es keinen Augenblick länger im Zweifel sein wird, daß der Gegenstand selbst sich tiefer befindet als es den Anschein hat. Jener Versuch besteht bekanntlich darin, daß man die Münze in der leeren Schüssel so legt, daß der etwas abseits stehende andere sie eben gerade nicht mehr sieht. Füllt man dann die Schüssel vorsichtig mit Wasser, so taucht die Münze für den Beobachter nach und nach über dem Schüsselrand auf, bis sie schließlich vollkommen sichtbar ist, während sie in Wirklichkeit noch unverrückt in ihrer alten Tiefe liegt.