Dann aber ist alles voll Herbst.

Braunroten Schaum schlagen die Wellen der Wälder nach den Gipfeln, denen die dunklen Fichten sich entgegenstemmen und wie zerstäubter Ocker ist der Abend über ihnen. Hügel und Berge, Täler und Furchen hinan ist alles aufgeflammt und fällt glühend zurück in die Rinnen und Weiher, in denen Forellen auffunkeln und färben sie voll mit reifem Karmoisin und Inkarnat. Wie Bäche rinnen die kleinen Dörfer in die großen Täler, an denen die Rebenterrassen aufsteigen, und wie eine entrollte Fahne breitet sich der Herbst, gesammelt aus tausend kleinen Wimpeln, aus durch das Sankt Gregoriental, das trieft von dem blendenden Weiß des Käses, der Butter und des Brotes, und prescht mit Brausen über die hohen Kathedralen hinein wie ein Meer in das silbrige Gefäß des Ried.

Kasimir Edschmid.

Anmerkung zur Transkription

Quelle: Die weißen Blätter, Verlag der weißen Bücher, Leipzig, 1914, pp. 468-475.