Wie ist die Welt bunt! Leichte Karussells laufen über die Jahrmärkte. Flieger erschwimmen die betäubende Höhe der Gestirne, gewiegt vom Nichts. Kapellen spielen in Theatern und Gärten. Mädchen tragen Schürzen im Hause und Bänder zum Ball. Und die Pferde . . . auch die Hunde sind schön und von Andacht . . . Städte erleuchten sich abends mit sanftem Gas.

Wie kann ich dieses Beschwingte fürder noch spüren, den feinen Reiz und die breite Schönheit, wenn ich den Tod darin sehe jederzeit? Und muß sie doch lieben grenzenloser als immer und brennender wie jeder, weil ich weiß, daß das Leben so schwer und so gewaltig hoch das Letzte ist. Aber meine glühende Liebe wird stets auf den Tod stoßen, und so werde ich hin und her geschleudert sein, ahasverisch und in einem verzehrenden Tosen, zwischen ungeheuerer Anbetung und tödlicher Erkenntnis.

Ich werde in unmenschlichen Spannungen leben müssen, denn das Spannungslose saugt mich auf. Ich werde lächeln und, von Gefahr und höchstem Erleben zu anderen springend, mich bewegen wie aus dem Arm von unzähligen Frauen in den von neuen Namenlosen. Es ist eine tolle übersinnliche Liebe zum Leben dies, Schwester.

Ich werde nicht mehr ruhen können.

Denn Gefahr ist ein kleiner Augenblick und Sterben darin eine strahlende Sekunde. Schönheit der Welt aber dem Wissenden eine unendliche Qual und Bedrohung und ewige Leere.

Ich möchte nicht, daß Sie an diese Erkenntnis streiften, Schwester, weil Sie ein schönes und ruhiges Gesicht haben.

Ich bin von Freude geschwellt für den Augenblick, wo ich hier abziehe. Denn alles da ist trostlos und müd und ohne Heroischkeit.

Sehn Sie, es ist furchtbar, wenn ich müßig in die Ferne schaue . . . Schwester, liebe Schwester . . . wie der Horizont sich dann zusammenzieht, wie Hügel hineinschwanken und gleichsam in einem Rachen verschwinden. Manchmal blinkt es silbern. Nun hebt sich die Ebene. Taumelnd gurgelt die Welt in den Strudel. Die Leere . . . die Leere —

Glauben Sie nichts. Ich weiß, daß das eine Vision ist, daß wir fest stehen und unerschütterlich, wie wir es glauben. Aber ich empfinde alles im Gleichnis, und oft ist Gleichnis uns die nächste und verwirrend deutlichste Realität. Ich sehe vieles im Bilde, weil ich in einer übersteigerten Sekunde über das Leben und gewöhnte Maß hinaus erkannt habe.“

Er schwieg und schloß die Augen.