Diese Geschichte, welche einmal den Trost der Liebe und der Sühne dem zerschmetterten Blick einer bewundernswerten und tapferen Frau bringen sollte, mit der ich für ein Drittel meines Vermögens durch die Schüsse verrückter Bauern eine Nacht im litauischen Leiterwagen fuhr, hatte diese nie erreicht. Auf der Station der Grenze, wo ich sie erwartete, kam damals nur die Nachricht eines Todes an mich, der im Anblick des vernichteten Kindes in ihre Seele jäh und sanft eingetreten war wie der Schlaf.

Diese Frau aber, an welche die Geschichte von Lady Grace nun durch einen Zufall gelangt war und deren Seele auf der Sanftheit eines reinen Herzens zu schimmern schien, verachtete die Liebe, deren sie nicht wert schien. Sie verließ das Scheusal, das fast zugrunde ging über die Entdeckungen, die seine Freunde nach ihrer Flucht über ihre Tätigkeit als Gattin machen mußten. Da er nur seinen Schmerz liebte, verging er vor Eifersucht über Qualen, die seine Eitelkeit über die Ausschweifungen dieser Frau empfand. Sie lernte in Ouchy einen Sekretär Kemal Paschas kennen, als dieser die Frauen aus den Harems zur Betätigung in der Öffentlichkeit ausrief.

Diesen verließ die ehrgeizige Frau, um ihr Schicksal an einen der Generale zu hängen, die das Bild unserer Welt zu bestimmen den unzweifelbaren Auftrag haben. Sie wußte den Frevel, den sie mit jener Freiheit, die sie nicht zu benutzen verstand, übte, hinter einem immer geschlossenen Lippenpaar zu verbergen, das der Glut einer nicht ganz erblühten Rose glich und hinter einer Stirn, die sich in nichts von dem kalten Glanz der Schneeberge unterschied. In Tripolis ward sie auf der Straße durch den Mund geschossen. Gott hat viel Mitleid und sieht lange zu, aber die Natur ist grausam, wenn seine Geduld zu Ende ist. Das Schicksal, das sich den Ort aussucht, an dem es straft, öffnet auf die furchtbarste Weise die Lippen, die sich der Liebe entziehen wollen.

Dieses Werk erschien im Sommer 1923 als vierzehnter und fünfzehnter Band der Reihe „Das Prisma“ im Verlag Hans Heinrich Tillgner, Berlin. Den Einband entwarf W. E. Gerull. Druck des Textes F. E. Haag, Melle, der Steinzeichnungen A. Ruckenbrod, Berlin. Hundert numerierte Exemplare wurden auf Bütten gedruckt, mit der Hand in Leder gebunden und vom Autor signiert. Die ganzseitigen Steinzeichnungen dieser Ausgabe wurden vom Künstler signiert.

Anmerkungen zur Transkription

Die Seitennummern der ganzseitigen Abbildungen und ihrer leeren Rückseiten wurden entfernt.

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