Dein Blut war mächtig, daß der Strom hinter uns hinblich und die Scharen der Burgen ausgelöscht hinter die Sonne krochen, daß der Ansturm der Ufer abriß wie ein Schuß. Du tilgst die Gegend hinweg.

Stolz zwischen den weißen Frauen der Passagiere bist du nicht mehr die Fürstin, du wächst über sie hinaus. Ich habe dir einen anderen Namen gegeben, Durchlaucht, in fließende Seide Gehüllte, aber ich sollte dich Debora nennen.

Denn du stehst — und meine Augen flammen es nach wie Sonnen — aufgereckte Richterin auf dem Gebirge Ephraim. Uraltes Blut wandelt sich zurück in deine Figur. Die eisernen Wagen rollen hinter dir über den Horizont. Heere fallen nieder vor dir betäubt und preisend, deren Haar eine Flamme aufgeht über den Palmenstädten, Triumph singend aus tosender Kehle über den Posaunen, Schluchten füllend mit deiner Stimme wie eine Wolke, braun und inbrünstig von donnernder Gottheit durchraste im Mond über Juda stehende nackte Tigerin.

Vor dir rollen aus dem Gebirge die Ströme der Heere in die Ebene. Nacken gefällter Könige siehst du lächelnd, irr der Mund zur Seite gezogen. Sie stellen die Lade vor dich. Sie erschauern in ihren Knochen, und tausend Streitwagen brausen aus den Tälern in die Ebene hinein.

Feuriger als die dunkle Sonne Europas steht über dem Steuer gepflanzt auf dem Fluß der Strahlenschleuder deines visionären leicht gewölbten Leibes weißflammend in seiner Figur.

Da bricht in die mystische Geburt Asiens das Lauern deines schrägen Augenlides. Ich flüstere „Ghetto“, und dein Haß sticht in mich wie eine Klinge, ich badete in deinem Haß und schwor gegen den Wind, daß er zum Stürmen steige, aber der Wind war feig und lag an deinem Fuß wie ein Reh.

Du trugst lehmrote Tücher um dich mit Schwefelsternen am Abend auf unserem Balkon. Wir tranken dunkelen Wein, der schäumte und dann tanztest du aus dem Zimmer auf die Veranda, auf der der Mond schon nach dir griff. Da riß ich die Tücher von dir. Diese furiose Entkleidung! Es war eine Löwin, die ich umarmte.

Aber allein, indem das Dunkel des Raumes dich von mir abschloß, tanztest du die Sprünge deines uralten Blutes. Deine Schultern bogen sich über den Achseln, der Rhein hing weiß gespannt unter dir mit einem hellen metallenen Ton, strahlend hob sich der Bogen deines Halses, schön und gezogen wie von stolzen Kamelen, um deren Kehlen goldene Spangen liegen. Und als du umtratst, und der Mond deinen Bauch traf und entfachte, da wurde ich wahnsinnig, Fürstin, und du tanztest, mesopotamische Königin, goldgelb gefleckt die Weichen wie eine Tigerin, über die Zacken des Gebirges Ephraim, und ich raubte dich auf meine Arme, wie rochst du nach Narden und schriest.

Dein Fuß ist chinesisch, deine Wade aber steht schon voll Wollust.

Deine Zunge ist voll Unzucht wie eine gierige Posaune. Ich will deinem Mann das Hirn über seinem Titel einschlagen, denn deine Schenkel sind dunkel verstrickt und stärker als Nacken der Stiere. Dein wilder Leib schäumt über und läßt mich irren an Gott. Du lächelst, die der Mond salbte, im Feuerregen der Küsse, dein Mund zerfleischt meinen Arm, deine gelösten Lippen wirbeln von feuchten Worten, deine Zähne sind spitz wie von Haien und die Sonne deines Leibes scheint toll in die Dunkelheit. Deine Brüste heben sich brausend unter meinem Mund wie heiße Quellen, und dein Hals erhebt sich und singt wirr wie im Fieber.