Als durch die Dorfstraße auf dem geschmückten Narzissenmotor die Hochzeit kam mit vielen Offizieren und Orden, und in der Dorfkirche der Sänger im Requiem stecken blieb, wie er sie an der Säule sah . . . und plötzlich alle von dem Priester sich umwandten, sie anzustarren, als sei sie aus der Säule gehauen und flöge mit ihr auf abgesenkten Flügeln in die Höhe, nachdem eine Sekunde ihnen unwiederbringlich die Hüften des Paradieses gezeigt.

. . . und als nach einer Woche alle Skiläufer, Dirigenten, Spieler, Arbeiter, Segler, Fischer, Bauern, Bankiers nichts wollten, als daß ihr Blick auf kurze Zeit auf ihnen ruhe — — und wir den Berg in der Frühe erstiegen, die Alpen ausgebreitet lagen tief wie die Kolonnen der Engel . . . und sie gegen die siebenfache blaue Staffel des Horizonts vorging, die Hand hob und nun kein Blut, kein Fleck der Haut es anders wußte, als daß ihr Lächeln nur, ihre Hand allein sie weich und schwebend erst formte, Amaranth hingab und seidige Härte — — und als sie bei mir war unter dem Park und aufschrie, und am Morgen im Pyjama durch den Taugarten ging, und die vier Nachtigallen wie ein Gewitter rasten zu einer Stunde, wo bedingungslos sie sonst schwiegen . . . . .

aber das Trommeln und Steigen ihres Gesangs so zerschmetternd war, so sehr nahe der Höhe der Lust, daß ich den Scheitel des Sommers erbebend unter mir fühlte und wußte, nach so ungeheurem Erfüllen käme nur ein hinab . . . . . . — — —

Was ist geworden in den Jahren, die ich im Süden ein Hund war und Suchender und Wüstling und nicht gedachte an deine große Schönheit — und zwischen Segelfahrt und hellenischem Frühling nichts die Zeit überbrückte zwischen mir und unseren zartesten Sekunden — — und was hat dich in anderen Armen verwandelt und hinter welchen Mannes Gefühl ist dein Gesicht verborgen, daß nicht einmal der irrsinnige Hochmut deiner Mädchenhaftigkeit mir vertraut und nah ist, mit dem dein Blick mich ans Kreuz schlug, als ich am Ufer dich ansprach mit dem Wort zu scharf und leicht für deine frauenhafte Bedeutung . . . . . und daß nun, wenn du fremd in deinen Kleidern hinausgingst, die Sehnsucht nach deiner Entferntheit und die weite Kühle deines Lächelns mich tot machen, meine Freundin?

Zwei Tage mied ich Kerstin, zwei Tage lief ich mit der Midussi.

Wenn sie die Locken schüttelt und feig vor der Schußfahrt in die Knie geht, und die prinzessinhaft im Nacken geschnittenen Haare ihr in die Zähne flattern, hören selbst die erregtesten Weiber auf, sie mit Steinen zu werfen und zu begeifern, ihrer engen Skihosen halber, sie selbst aber ist nie abgeneigt, mit dem Schrei loszufahren, zu kratzen und die angesammelte Meute sechs- und achtjähriger Knaben, Eiszapfen schwingend, zu sprengen. Zehn Männer, die den Kranz ihrer Kali-Syndikat-Millionen anzubeten lediglich nicht müde zu werden hofften, fiebern nachts nur noch von ihren spielerischen, lesbischen Beinen.

Sie hat eine Locke zwischen den Augen in der kleinen Stirn, und das achtzehnjährige sizilische Gesicht ist krank, bös, schön gespannt in der aufregenden, von ihren Blicken verdorbenen Luft um sie.

Sie quält, lächelt und ist kühn genug, im verruchtesten Loch mit der großen weißen Perlenkette dem Schwarm der Bauernmasken sich zu mischen, die, durch ihre Holzmasken wie Hunde heulend, im Kilometerradius einen Zirkus von Tanz um die Gebirgskette schlagen, und aus deren Weiberröcken und wilden Fäusten sie heiser lachend entgleitet, den Saal hinter sich zurücklassend, aufgepeitscht bis ans Geheul.

Ich weiß nicht, ob sie mich haßt, aber es mag sein, daß dies ihre Liebe ist.

Die Syrakusanerin läßt den Schlitten voraus fahren, Schellen klirren sacht, hell. Wir kommen auf den Pfad, wo die Angehörigen eines religiösen Hotels, mondäne Nonnen, an uns vorüberstreichen. Es geschieht, daß die Midussi, die Zähne im verbrauchten Gesicht, sagt, daß Picard zum drittenmal ihr an den Hals gedroht, führe sie nicht nach München — — fürchtet sich, schaut schräg auf.