Die Gardinen der Front bewegten sich alle in dem lauen Wind, der den Abend köstlich trug. Es lag eine Ruhe des Gleichgewichtes in der Luft, daß es weiter nichts bedurfte wie da zu sein und sich zu sehen, den Atem zu spüren, nichts zu reden — — um glücklich zu sein.
Während sie speisten, hob Thengo mit einem raschen Schwung eine Kette schönster orientalischer Perlen um ihren gerade geneigten Hals. Müde und erregt küßte sie ihn zärtlich über den Tisch.
Dann stand sie auf, ihm Blumen im Garten zu schneiden. Er hob, als sie aufstand, sein Gesicht fragend, gestört, daß sie die wortlose Ruhe breche. Aber sie empfand so tiefe Zärtlichkeit, daß sie den Gegenstand suchte, sie ihm darin darzugeben.
Sie hob geheimnisvoll die Hand.
Ihr Finger fuhr zum Mund, die Lippen zogen sich zusammen rätselvoll und lächelnd. Sie sah sein Gesicht heiß werden, er nahm ihr die Hand herab und drückte seinen Mund auf den Ballen.
Sie lachte winkend schon und entlief.
Sie wollte allein sein. Wie vieles und welche Höhe sie mit ihm durchlebt, kam ihr, als sie in den Garten trat und beruhigter stand. Die weiche Luft umhüllte sie, sie gab sich dankbar hin. Sie schnitt einen Strauß barbarisch wilder Blumen. Ihr ganzer Arm lag voll davon und währenddem ging ihr Blut in einer Klarheit, die allen Dingen sich verband, mit jeder Zelle faßte sie jedes Ding der Welt.
Sie spürte die Güte, die von Thengos Wildheit ausging und in wunderbarer Wage die Leidenschaft seines Atems mit ihrer Seele verband.
Das gab ihr Glück.
Aber in tiefster Liebe stehend, empfand sie die innere Sicherheit weit über den Zustand des Glückes hinaus. Die tiefe innere Ruhe war aus der Kraft der Entsagung in sie eingedrungen. Der Schmerz in der Liebe und die Trauer hatten sich eingesogen in ihr Blut. Sie trug einen Besitz, der sie abschloß und vereinte. Sie war gewappnet gegen jedes Schicksal.