Ich sehe auf das Meer und denke an meinen Bruder.
An diesem Tage verstehe ich meinen Bruder, ich habe ihn früher nie gekannt, ich begreife meinen Bruder, es fehlt kein kleines Stück an meinem Verständnis, ich begreife nun auch, warum er, obwohl die Gefahr beiseite gelegt mit dem Wechsel, obwohl er mit Anstand und freier Brustschwenkung leben konnte, warum er abbog, warum er beiseite geht und immer sein Gesicht von den Menschen wendet und es gegen sie verhüllt.
Wie liebe, wie kenne ich seine Einsamkeit.
Ich schaue auf das Meer, ich denke an meinen Bruder, ich kenne ihn so genau, ich liebe ihn so deutlich, es ist kein Unterschied mehr, ich mache sein Leben mir zu eigen, ich erlebe sein Leben:
Ich gehe trottelnd den Tippelmarsch der internationalen Kunden, ausgesengt von Sonne auf der Bahnspur zwischen Kalifornien und Texas, Boston und Florida, ich sehe nichts als Steppe um mich, sie hebt sich mit jedem Tag, ich gehe auch in der Nacht. Ich gehe vierzehn Tage, ich erblicke nichts wie Kaninchen, es ist nicht leicht, sich zu nähren, obwohl das Fleisch sehr billig, allein die Cents, allein die Centavos sind selten, ich will sie nicht verdienen, aber ich muß es manchmal; so habe ich nicht viele und ich habe sie nicht immer.
Da sehe ich am vierzehnten Tag durch die Steppe auf dem Bahndamm einen entgegenkommen, er ruft schon von ferne, er ist wie ich gewandert von der anderen Seite, er freut sich, einen Menschen zu sehen, er hat einen Papyrus im Mund und schreit: „Hast du ein Streichholz, John?“
Ich gehe wortlos an ihm vorüber, ich sehe ihn nicht an, ich weiß nicht, ob er ein Gringo, ob ein Eingeborener, ich weiß nichts von ihm, er ist schon vergessen, ich sehe nur die Schienen, die sich blutig in den Horizont schneiden.
Ich stehe auf, setzt sich aus dem Dunkel heraus an mein Campfeuer einer, fängt an, sein Fleisch an meinem Feuer zu braten, ich gehe weiter unter der Nacht; ich suche mir Mist, ich suche Büffelmist und mache mir ein neues Feuer.
Ich wickle mich fest in die Lingera, ich gehe, da der Wind stark und rauh, und mich ein Husten gefaßt hat, daß ich nachts wenig Atem habe, ich gehe in die Lingera gewickelt, nach den warmen Savannen des Gran Chaco, ich treffe viele meiner Sorte, ich treffe auf den wochenlang gewälzten grauen Steppen Strizzis und Kunden und Rowdys und Schiffsköche und Vagabunden und Abenteurer und jeder fragt, wenn wir aufeinander zuschlendern und einen Augenblick stehen bleiben zwischen den Schienen, jeder fragt: „Y tu compagnero?“
Aber ich habe keinen Gefährten: Ich schüttle den Kopf. Sie starren mich an: „Verrückt.“ Ich gehe weiter.