KEAN: Sie täuschen sich. Ich sah zum erstenmal, wie ungeheuer viel ein Herz vermag, indem es sich schrankenlos preisgibt. Aber ich sehe es zu spät.

DAISY: Ich verstehe Sie nicht.

KEAN: Weil Sie nicht wissen, welche Spanne mein Leben von gestern zu heute durchmessen hat. Weil ich aus Enttäuschungen und Eitelkeiten so tief abgestürzt heute hinaufblicke, kann ich nicht wagen, erkennen zu wollen, von wie hoch her Ihre Güte zu mir herunterkommt.

DAISY: Warum beschämen Sie in mir so sehr das, was ohne Absicht geschah?

KEAN: Hätte ich früher erkannt, als ich zwar falsch, aber immerhin auf der Höhe meines Lebens schweifte, welch unvergleichlicher Besitz mir nah war, wäre das eine große und erhabene Entdeckung gewesen. Ich wäre glücklich gewesen. Daß ich es jetzt erst sehe, wo ich verlassen, schutzbedürftig und niedrig bin, nimmt mir vor mir jedes Recht, es zu ergreifen. Ich weiß, was ich verliere, denn ich verliere alles. Aber ich kann mich dem nicht entziehen.

DAISY: Wenn ich nicht glaubte, trotzdem glücklich zu sein, müßte ich denken, daß ich verflucht bin.

KEAN: Gehen Sie. Reisen Sie. Und denken Sie, daß Sie einem Mann das größte Glück geschenkt haben, indem Sie ihn zum ersten Male die ganze Größe eines reinen Gefühls sehen ließen. Und vergessen Sie nicht, daß er, obwohl er zufriedener und klarer ist wie früher, aufs tiefste leidet und nur die eine Bemühung kennt, sich Ihrer würdig zu erweisen.

DAISY: Leben Sie wohl.

SALOMON: Die Gräfin. Zieht die Tür hinter sich zu.

KEAN: Ich will sie jetzt nicht mehr sehen.