KEAN: Ich habe das Außergewöhnliche nie bei Menschen getroffen. Bei einem Bären einmal, eine zu lange Geschichte. Entschuldigen Sie mich zwei Minuten zum Frisieren. Es schellt irrsinnig. In den Nebenraum, wo er voll umgezogen wird, die Romeojacke erhält.

PRINZ VON WALES zu Koefeld: Enttäuscht? Daß keine Weiber da waren? Sehen Sie. Armer. Zu Kean hinter der Portiere. Haben Sie Ärger? Nervös? Ein Kummer? Ich sah Sie nie so eilig.

KEAN: Enttäuschungen, Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Falsche Einstellungen, Kean. Erwarten Sie nichts, ist alles ein Geschenk. Erwarten Sie vieles, schlägt alles Ihnen auf das Dach. Undank die Regel. Dank die Ausnahme. Merken Sie sich Napoleons: le genre humain m’embête. Il me faut de la solitude. Damit erklimmen Sie jede Entzückung.

KEAN: Unschwer, bei Gott, von einem König gesagt.

PRINZ VON WALES: Erfahrungen, die hunderte von Jahren im Blut liegen, Freund. Wer stößt öfter auf die Erbärmlichkeit wie wir?

KEAN: Wem schadet sie weniger?

PRINZ VON WALES: Die Köpfe, manchmal, Guter, in meiner Familie. Weil wir das Renommeestück, den Menschen, kennen, ob wir ihn verachten oder uns für ihn interessieren, wissen wir um seine Dummheit und Feindlichkeit. Revolutionäre aus Neigung, sind wir, von der Nutzlosigkeit der Revolten überzeugt, Reaktionäre aus Weisheit. Wir erwarten gar nichts und haben vor den Barrikadejünglingen, die stets enttäuscht ihre verbrannten Finger in den Hades trugen, ungewöhnlich voraus, daß wir, als zurückhaltende Skeptiker, ihn zu lieben uns erlauben können auch in seiner tiefsten Erbärmlichkeit. Keine Voraussetzungen – und Sie umarmen die Weisheit ... Ah Biribi ... Romeo.

KEAN erscheint aus dem abgeteilten Raum, fast fertig: Lernen Sie mich diese Distanz der Gefühle. Ich lerne Sie die Leidenschaft, Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Ich bedarf sie nicht. Ich habe mehr.