Eine vierte Tasse wird eingeschenkt und ausgetrunken, und unterdessen wird von dem und jenem geplaudert. Petra hätte ihre gute Laune so ziemlich wiedererlangt haben sollen, denn es zeigte sich, daß Maren selbst braune Augen hatte — war es da ein Wunder, wenn ihr Kind auch solche mit auf die Welt brachte? Aber es schien, als ob Petra nun einmal einen bestimmten Verdacht hätte und diesen Verdacht nicht mehr loswerden könnte. „Er ist es doch,” behauptete sie. „Er ist so schlau gewesen, diesmal eine mit braunen Augen zu nehmen, um sicher zu sein.”
„Ich versteh' dein dummes Geschwätz nicht, Petra! Ja, ich muß es gerade heraus sagen, daß das ein dummes Geschwätz ist,” erklärt Maren immer noch mit freundlichem Lachen.
Petra ist erbost und wahrt den Anstand ihrem Gaste gegenüber nicht. „Meinst du vielleicht, er hab' dich aus irgendeinem andern Grunde genommen, als deiner braunen Augen wegen? Nein, Maren, mach dir nur klar, daß du nicht mehr die Jüngste bist.”
Als man auf diesem Punkt angelangt war, meinte Oliver wohl, es sei Zeit für ihn einzugreifen, und er tat dies, indem er seinen Hut nahm und hinaushumpelte. Abel nahm er auch mit, und nun saßen fünf Frauenzimmer, alt und jung zusammengerechnet, beieinander. Aber die sehr erregte Petra war kein großer Genuß für ihren Gast, und Maren hätte am liebsten die Kaffeetasse zerschmettert, hielt sich aber im Zaum und sagte nur bis ins Innerste gekränkt: „Ich bin allerdings nicht mehr die Jüngste, nein. Aber du bist auch kein heuriges Häschen mehr, Petra, vergiß das nicht! Und was das betrifft, so hast du jetzt wohl mehr als genug bekommen von dem Mann, mit dem du mich jetzt im Verdacht hast.”
Nun wurde Petra aufmerksam darauf, daß die kleinen Mädchen die Ohren spitzten, und sie fing an zu lachen, um damit über die Sache wegzukommen. „Ich, bekommen? Keinen Öre hab ich bekommen von irgendeinem andern Mann als meinem eigenen, das kannst du glauben. Wofür sollten mir andere Männer Geld geben? Und wir kommen auch Gott sei Dank mit dem aus, was Oliver verdient.”
Dies war nur gesagt, um das Gespräch in eine andere Bahn zu lenken; es wurde eine Brücke geschlagen, über die alle gingen, und auch die beiden streitenden Mütter schlossen etwas später Frieden. Sie gingen zu den Stadtneuigkeiten über, und die fünfte Tasse Kaffee wurde eingeschenkt, alle die Frauenzimmer beugten sich weit über den Tisch vor und schauten einander ins Gesicht. Da war wieder ein Skandal gewesen, draußen bei dem Kaspar, der auf der Werft arbeitete, jetzt hatte er seine Frau geschlagen. Maren hatte es gestern abend gehört.
Petra wurde ganz wütend auf Kaspar. „Was hatte denn die Frau getan?”
„Ach, es war wohl etwas mit einem andern Werftarbeiter.”
„Er hätte es wagen sollen, Hand an mich zu legen!” drohte Petra.
„Allerdings, aber was hat er auch für eine Frau!” sagt die Großmutter, die alt und ausgebrannt ist. „Was hat sie damals getan, in dem Jahr, wo ihr Mann zur See war? Sie ging an Bord einer fremden Schute und war lange Zeit im Ausland Kellnerin.”