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So ging es denn nun im alten Trab weiter in der Stadt — nur der Postmeister war und blieb gebrochen. Er hatte mit einer dürftigen Pension seinen Abschied erhalten, die Familie war in ein kleines Haus bei der Werft übergesiedelt, und ein neuer Postmeister hielt seinen Einzug im Posthaus.

Der Sommer war vergangen, und die beiden Leuchten der Stadt reisten zurück zu ihrem Studium. Sie waren ja nicht gerade Busenfreunde, aber sie fuhren mit demselben Schiff. Busenfreunde? Frank hatte doch die ganzen Ferien hindurch gearbeitet und war Reinert wieder um eine Nasenlänge vorausgekommen, wie hätte daraus ein zartes und harmonisches Verhältnis entstehen können?

O, was hatte Frank nicht alles in diesen Wochen gelernt! Aber man sah es ihm auch an. Er hatte in sein Bewußtsein hinein soviel verschiedene Sprachwissenschaft verwoben, ein Stückchen ums andere, ohne Drängen, ohne Gewalt, nur indem er Zeit und Lebenskraft dransetzte, jetzt stand er auf dem Schiff ein bißchen gelb und mager, ganz ohne Fett und also wie dazu geschaffen, immer noch mehr zu lernen. Selbst dem Leben um ihn her widmete er nicht mehr Gedanken, als es wert war, mit seinen Händen wußte er nichts anzufangen, der Arbeit der Matrosen an Bord schaute er stumpfsinnig zu, die Maschinenleute fand er entsetzlich schmierig. Frank konnte keine Fässer und Kisten in den Schiffsraum verladen, nein, dazu war er nicht da; aber er konnte in Wörterbüchern nachschlagen; aber er saß voll zarter und heiliger Sprachwerte, ein Vergleich war gar nicht möglich. Feinheit wird durch Schulfleiß errungen und geht durch Arbeit verloren.

Auf dem Schiff traf er einen Bekannten von der Schulbank her, den Zeichenstift; als bleicher Neger tauchte er aus dem Maschinenraum empor, nur halb bekleidet, mit verschwitztem Gesicht und weitoffener Hemdbrust.

„Guten Tag!” sagte er und nickte Frank zu.

„Guten Tag!” sagte auch Frank und suchte sich den Neger in seine Erinnerung zurückzurufen. „Bist du hier?”

„Ja, hast du das nicht gewußt?”

„Nein,” erwiderte Frank etwas zurückhaltend.