Nein, das kann ich wirklich nicht, Jens Olai, antwortete ich. Nicht jetzt. Vielleicht später, heute nachmittag vielleicht. Und ich schwankte die Treppe zu meinem Zimmer hinauf.
Hier warf ich mich auf mein Bett und lachte. Welches Schweineglück, daß er mir zuvorgekommen war! Meine Ehre war gerettet. Fünf Kronen — Gott bewahre dich, Mensch! Du hättest mich ebenso gerne um fünf Aktien der Dampfküche oder um einen Herrenhof in Aker bitten können.
Und der Gedanke an diese fünf Kronen machte mich immer lauter und lauter lachen. War ich nicht ein Teufelskerl, was? Fünf Kronen! Ja, dazu war ich der rechte Mann! Meine Lustigkeit stieg, und ich gab mich ihr hin: Pfui Teufel, was ist das hier für ein Geruch nach Speisen! Richtiger, frischer Karbonadengeruch vom Mittag her, pfui! Und ich stoße das Fenster auf, um den abscheulichen Geruch hinauszulassen. Kellner, ein halbes Beefsteak! Zum Tisch gewandt, diesem gebrechlichen Tisch, den ich mit den Knieen stützen mußte, wenn ich schrieb, verbeugte ich mich tief und fragte: Befehlen Sie vielleicht ein Glas Wein? Nicht? Mein Name ist Tangen, Staatsrat Tangen. Leider bin ich ein wenig zu lang aus gewesen.... Der Torschlüssel .... Und zügellos laufen meine Gedanken wieder auf allen Wegen davon. Ich war mir ständig bewußt, daß ich unzusammenhängend redete und ich sagte kein Wort, ohne daß ich es hörte und verstand. Ich sagte zu mir selbst: Nun redest du wieder unzusammenhängend! Und ich konnte doch nichts dagegen machen. Es war, als läge ich wach und spräche im Schlaf. Mein Kopf war leicht, ohne Schmerz und ohne einen Druck, und mein Gemüt war ohne Wolken. Ich segelte dahin und leistete keinen Widerstand.
Herein! Ja, nur herein! Wie Sie sehen, alles von Rubin. Ylajali, Ylajali! Der rote, schwellende Seidendivan! Wie heftig sie atmet! Küß mich, Geliebte, mehr, mehr. Deine Arme sind wie Bernstein, dein Mund flammt.... Kellner, ich habe ein Beefsteak bestellt....
Die Sonne schien durch mein Fenster herein, und unten hörte ich die Pferde Hafer kauen. Ich saß da und sog an meinem Holzspan, aufgeräumt, froh wie ein Kind. Ständig hatte ich nach dem Manuskript gefühlt; ohne daß ich auch nur ein einziges Mal daran dachte, sagte mir der Instinkt, daß es da war, mein Blut erinnerte mich daran. Und ich zog es hervor.
Es war naß geworden, ich breitete es aus und legte es in die Sonne. Darauf begann ich in meinem Zimmer auf und ab zu wandern. Wie bedrückend alles aussah! Rings auf dem Boden kleine abgeschnittene Streifen von Blechplatten. Aber kein Stuhl zum Sitzen, nicht einmal ein Nagel in den nackten Wänden. Alles war in „Onkels Keller” gebracht und war verzehrt worden. Ein paar Bogen Papier auf dem Tisch, dick mit Staub bedeckt, war all mein Besitz. Die alte grüne Decke auf dem Bett hatte mir Hans Pauli vor einigen Monaten geliehen.... Hans Pauli! Ich knipse mit den Fingern. Hans Pauli Pettersen muß mir helfen! Und ich besinne mich auf seine Adresse. Wie konnte ich auch Hans Pauli vergessen! Er wird sicher sehr gekränkt sein, weil ich mich nicht gleich an ihn gewandt hatte. Rasch setze ich meinen Hut auf, raffe das Manuskript zusammen und eile die Treppe hinunter.
Hör Jens Olai, rief ich in den Stall, ich glaube ganz bestimmt, daß ich dir heute nachmittag helfen kann!
Beim Rathaus angekommen, sehe ich, daß es elf Uhr vorbei ist, und ich beschließe, sofort in die Redaktion zu gehen. Vor der Bureautüre blieb ich stehen, um zu untersuchen, ob meine Papiere auch der Reihe nach lägen; ich glättete sie sorgfältig, steckte sie wieder in die Tasche und klopfte an. Mein Herz pochte hörbar, als ich eintrat.
Die Schere ist wie gewöhnlich da. Ich frage furchtsam nach dem Redakteur. Keine Antwort. Der Mann sitzt mit seiner langen Schere da und bohrt kleine Nachrichten aus den Provinzzeitungen heraus.
Ich wiederhole meine Frage und trete weiter vor.