Ja, vor ungefähr fünf Wochen. Woher ich wisse, daß sie eine Schwester habe?

Ich weiß es durchaus nicht, ich fragte nur.

Wir schwiegen. Ein Mann, der ein Paar Schuhe unter dem Arm trägt, geht an uns vorbei, sonst ist die Straße leer, soweit wir sehen können. Beim Tivoli leuchtet eine lange Reihe von farbigen Lampen. Es schneite nicht mehr. Der Himmel war klar.

Gott, frieren Sie nicht ohne Überrock? sagt die Dame plötzlich und sieht mich an.

Sollte ich ihr erzählen, warum ich keinen Überrock hatte? Ihr meine Lage sofort offenbaren und sie von vorneherein verscheuchen?

Es war doch so herrlich, hier an ihrer Seite zu gehen und sie noch eine kleine Weile in Unwissenheit zu lassen. Ich log, ich antwortete:

Nein, gar nicht. Und um auf etwas anderes zu kommen, fragte ich: Haben Sie die Menagerie im Tivoli gesehen?

Nein, antwortete sie. Ist da etwas zu sehen?

Wenn sie nun hingehen wollte? In all das Licht, unter so viele Menschen! Sie würde verlegen werden, ich würde sie mit meinen schlechten Kleidern, mit meinem mageren Gesicht, das ich seit zwei Tagen nicht einmal gewaschen hatte, verjagen, sie würde vielleicht sogar entdecken, daß ich keine Weste hatte....

O nein, antwortete ich deshalb, es ist dort sicher nichts zu sehen. Und es fielen mir einige glückliche Wendungen ein, von denen ich gleich Gebrauch machte, einige dürftige Worte, Reste aus meinem ausgesaugten Gehirn: Was könnte man wohl von solch einer kleinen Menagerie erwarten? Überhaupt interessierte es mich nicht, Tiere im Käfig zu sehen. Diese Tiere wissen, daß man dasteht und sie ansieht; sie fühlen hundert neugierige Blicke und werden davon beeinflußt. Nein, da möchte ich schon um Tiere bitten, die nicht wußten, daß man sie betrachtete, um jene scheuen Wesen, die in ihrer Höhle umherhuschen, dort mit schläfrigen grünen Augen liegen, an ihren Klauen schlecken und nachdenken. Nicht wahr?