Die beiden Brüder reden leise miteinander, es handelt sich darum, ob Sivert wohl die Mutter dazu bringen kann, Geld herbeizuschaffen, eine Rettung, Reisegeld. So wie jetzt könne es nicht weitergehen.

Eleseus habe es jetzt satt, er habe schon oft daran gedacht, und heute nacht solle es nun geschehen, eine lange Reise, Amerika, jetzt in dieser Nacht noch. — Amerika! sagt Sivert laut. — Pst! Ich habe schon oft daran gedacht, jetzt mußt du die Mutter dazu bringen, es geht so nicht weiter, ich habe schon oft daran gedacht. — Aber Amerika! sagt Sivert. Nein, das darfst du nicht tun. — Unbedingt! Ich gehe auf der Stelle wieder zurück, ich erreiche das Postschiff noch. — Du wirst doch wohl vorher etwas essen? — Ich bin nicht hungrig. — Willst du nicht ein wenig schlafen? — Nein.

Sivert will seinem Bruder wohl und sucht ihn zurückzuhalten, allein Eleseus ist standhaft, zum erstenmal standhaft. Sivert ist ganz verwirrt, zuerst, als er Jensine sah, war ihm schon ein wenig sonderbar zumut geworden, und nun will Eleseus das Ödland vollständig verlassen, sozusagen diese Welt verlassen. — Was willst du mit Storborg anfangen? fragt er. — Andresen kann es haben, antwortet Eleseus. — Andresen kann es haben, wieso denn? — Bekommt er denn nicht Leopoldine? — Das weiß ich nicht. Doch das kann wohl sein.

Sie reden und reden immer leise weiter. Sivert meinte, es wäre am besten, wenn der Vater selbst herauskäme, so daß Eleseus mit ihm reden könnte; aber nein, nein! flüstert Eleseus zurück. Nein, das könne er nicht; er hat es noch nie vermocht, Gefahren von solcher Art ins Angesicht zu schauen, er hat stets einen Vermittler nötig gehabt. Sivert sagt: Du weißt ja, wie die Mutter ist. Mit ihr kommst du nicht weiter vor lauter Tränen und Zuständen, sie darf es nicht wissen. — Nein, sagt auch Eleseus, sie darf es nicht wissen.

Sivert geht ins Haus, er bleibt eine Ewigkeit weg und kommt mit Geld zurück, mit viel Geld. Da sieh her, das ist alles, was er hat; meinst du, es sei genug? Zähl nach, er hat das Geld nicht gezählt. — Was hat der Vater gesagt? — Er hat nicht viel gesagt. Jetzt mußt du noch einen Augenblick warten, ich zieh nur noch etwas an und komme mit dir. — Das darfst du nicht, du mußt schlafen gehen. — So? Fürchtest du dich vielleicht, wenn du in der Dunkelheit eine Weile allein im Stall bleiben sollst? fragt Sivert mit einem schwachen Versuch zu scherzen.

Er bleibt nur einen Augenblick weg, kommt fertig angezogen zurück und bringt auch des Vaters Rucksack mit dem Mundvorrat mit. Wie sie hinausgehen, steht plötzlich der Vater vor ihnen: Was höre ich, du willst so weit fort? sagt er. — Ja, erwiderte Eleseus, aber ich komme wieder. — Ach, ich steh nur da und halte dich auf, murmelt der Alte und kehrt um. Glückliche Reise! ruft er noch mit sonderbar heiserer Stimme zurück und geht rasch seines Weges.

Die Brüder wandern zusammen den Weg hinunter, und nach einer Weile setzen sie sich und essen. Eleseus ist hungrig, er kann kaum gesättigt werden. Es ist die herrlichste Frühlingsnacht, auf allen Hügeln balzen die Auerhähne, und dieser heimische Laut macht den Auswanderer einen Augenblick verzagt. Es ist schönes Wetter, sagt er. Aber jetzt mußt du umdrehen, Sivert. — So, sagt Sivert und geht weiter. — Sie kommen an Storborg vorbei, an Breidablick vorbei, die Auerhähne balzen auf dem ganzen Weg auf dem und jenem Hügel; es ist keine Hornmusik wie in den Städten, nein, aber es sind Stimmen, das öffentliche Aufgebot, das den Frühling verkündigt. Plötzlich hören sie den ersten Singvogel vom Gipfel eines Baumes, er weckt auch andere, sie fragen und antworten von allen Seiten, das ist mehr als ein Gesang, das ist ein Lobgesang. Der Auswanderer fühlt etwas Heimweh in sich aufsteigen, etwas Hilfloses, er soll nach Amerika, niemand ist dazu so reif wie er. — Aber jetzt mußt du umkehren, Sivert, sagt er. — Ja, erwiderte der Bruder, da du es durchaus willst.

Sie setzen sich am Waldrand nieder und sehen das Dorf vor sich liegen, den Kaufladen, den Landungsplatz, Bredes Herberge. Beim Postschiff laufen einige Leute hin und her und machen sich zur Abreise fertig.

Ich habe keine Zeit mehr, noch länger hier sitzenzubleiben, sagt Eleseus und steht wieder auf. — Es ist recht schade, daß du so weit fortgehst, sagt Sivert. — Eleseus erwidert: Aber ich komme wieder. Und dann reise ich nicht bloß mit einem Wachstuchkoffer.