Ich ging im Namen Jesu auf ihn los, antwortete Isak.

Inger wiegte überwältigt den Kopf hin und her, und es dauerte eine Weile, bis sie das Essen auftragen konnte. Jedenfalls darfst du aber jetzt nicht mehr ganz allein in den Wald gehen, sagte sie.

Sie zeigte sich besorgt um ihn, das tat ihm wohl. Er tat, als sei er noch gleich mutig und als kümmere er sich durchaus nicht um irgendeine Begleitung in den Wald, aber er tat nur so, um Inger mit seinem unheimlichen Erlebnis nicht mehr als notwendig zu erschrecken. Er war ja der Mann und das Oberhaupt des Hauses, der Schutz aller.

Inger durchschaute ihn auch und sagte: Ja, ja, du willst mich nur nicht ängstlich machen, aber du mußt Sivert mitnehmen. — Isak lächelte nur verächtlich. — Du kannst im Walde krank und elend werden, und ich glaube, du bist auch in der letzten Zeit nicht so recht gesund gewesen. — Wieder lächelte Isak verächtlich. Krank? Abgeschunden und müde, jawohl; aber krank? Inger solle ihn nicht lächerlich machen, er sei und bleibe gesund, er esse, schlafe und arbeite, er sei ja geradezu unheilbar gesund. Einmal sei ein gefällter Baum auf ihn gestürzt und habe ihm das Ohr abgerissen, er habe das Ohr aufgehoben und es mit der Mütze Tag und Nacht an seinem Platz festgehalten, und da sei es wieder angewachsen. Für innere Unpäßlichkeiten nehme er Süßholzsaft in kochender Milch und komme dadurch in Schweiß, Lakritze also, die er beim Kaufmann hole, ein erprobtes Mittel, das Theriak der Alten. Wenn er sich in die Hand haue, lasse er sein Wasser über die Wunde laufen und salze sie ein, dann sei es in wenigen Tagen geheilt. Der Doktor sei noch nie nach Sellanraa geholt worden.

Nein, Isak war nicht krank. Eine Begegnung mit dem Teufel konnte schließlich der Gesündeste haben. Isak fühlte auch von dem gefährlichen Abenteuer keine Nachwehen, im Gegenteil, es war, als sei er dadurch gestärkt worden. Als sich der Winter seinem Ende zuneigte und der Frühling nicht mehr so ewig weit entfernt war, fühlte sich der Mann und das Oberhaupt allmählich als eine Art Held: Ich verstehe mich auf solche Dinge, wir müssen nur meinem Rat folgen, zur Not kann ich sogar bannen.

Im ganzen genommen waren ja die Tage länger und heller, Ostern war vorüber, die gefällten Bäume waren heimgefahren, alles leuchtete, die Menschen atmeten nach dem überstandenen Winter auf.

Inger war wieder die erste, die sich aufrichtete, sie war jetzt schon lange in guter Laune. Woher das kam? Hoho, es hatte seine guten Gründe, sie war wieder dick geworden, sollte wieder ein Kind bekommen. Alles ebnete sich in ihrem Leben, nichts versagte. Aber das war ja die größte Barmherzigkeit nach all dem, was sie verbrochen hatte, sie hatte Glück, das Glück verfolgte sie! Isak wurde wahrhaftig eines Tages aufmerksam und mußte sie fragen: Ich glaube wirklich, es wird wieder etwas, wie ist das möglich? — Ja, gottlob, es wird gewiß etwas! antwortete sie. — Beide waren gleich überrascht. Natürlich war Inger nicht zu alt; Isak kam sie nicht zu alt vor, aber trotzdem, wieder ein Kind, ja, ja! Die kleine Leopoldine war ja schon mehrere Male im Jahr für längere Zeit in der Schule auf Breidablick, da hatten sie keine Kleinen mehr zu Hause, und außerdem war Leopoldine jetzt auch schon ein großes Mädchen.

Einige Tage vergingen, aber am nächsten Samstag machte sich Isak energisch auf den Weg ins Dorf, und er wollte erst am Montagmorgen zurückkommen. Er wollte nicht sagen, was er im Sinne hatte, aber siehe da, er kam mit einer Magd zurück. Sie hieß Jensine. — Du bist wohl nicht recht klug, sagte Inger, ich brauche sie nicht. — Isak erwiderte, jawohl, jetzt brauche sie eine Magd.

Und jedenfalls war das nun ein so hübscher und gutherziger Einfall von Isak, daß Inger ganz beschämt und gerührt war; das neue Mädchen war die Tochter des Schmieds; sie sollte vorerst den Sommer über dableiben, später werde man weitersehen.