»Sie stören gar nicht,« sagte er und machte mir Platz. — »Ich sah nur hier über all diesen toten Reichtum hin.« Er zeigte mit einer Handbewegung auf die Gräber.
Wir waren auf dem Krist-Friedhof.
Je weiter der Morgen vorschritt, um so lebhafter war es da oben geworden; Maurer und Arbeiter waren einer nach dem anderen gekommen, der alte Wächter saß schon in seinem Kiosk und las Zeitungen. Hier und da sah man Frauen in Schwarz, die Blumen pflanzten oder begossen, oder Gras abschnitten, das zu lang geworden war. Und die Vögel zwitscherten laut in den großen Kastanienbäumen.
Er war mir ganz unbekannt. Es war ein junger Mann, breitschulterig, unrasiert und in etwas abgetragenem Anzug. Die Runzeln auf der Stirn, die gewichtige Stimme, seine Gewohnheit, nachdenklich zu blinzeln, wenn er sprach, das alles machte ihn, wie man zu sagen pflegt, »alt und erfahren«.
»Sie sind fremd hier?«
»Ich bin neun Jahre außer Landes gewesen.«
Er lehnte sich zurück, streckte die Beine vor und sah auf den Kirchhof hinaus. Aus seiner Rocktasche guckten deutsche und französische Zeitungen hervor.
»Wie traurig ist es auf einem Friedhof wie dieser hier!« sagte er. »So viel Totes auf einem Fleck! So viel Kraft ertötet und so wenig ausgerichtet.«
»Dies ist der Militär-Begräbnisplatz.«