Ich mußte den Eindruck wieder verwischen und sagte: Hoho, jetzt hab ich dich schön zum Narren gehalten, Grindhusen! Aber ich war unzufrieden mit mir und verließ sogleich das Brauhaus.

Das junge Fräulein möchte ich übrigens so weit bringen, daß sie mir dankt, wenn ich grüße, dachte ich; sie soll in kurzer Zeit darüber aufgeklärt werden, daß ich ein Mann von Kenntnissen bin. Da war z. B. dieser Brunnen mit der Wasserleitung, — wie, wenn ich nun mit einem vollständigen Plan hervortreten würde! Mir fehlte nur noch ein Meßapparat, um das Gefälle vom Gipfel der Anhöhe zu bestimmen, und ich begann an diesem Apparat zu arbeiten. Ich konnte mich mit einer Holzröhre behelfen, wenn ich zwei gewöhnliche Lampenzylinder daran festkittete und dann das Ganze mit Wasser füllte.

Immer mehr Kleinarbeiten gab es auf dem Pfarrhof, eine Treppenstufe sollte gerichtet werden, eine Grundmauer nachgesehen; und als die Kornernte eingebracht werden sollte, mußte die Auffahrt zur Scheune instandgesetzt werden. Der Pfarrer hielt darauf, daß alles in guter Ordnung war, und uns konnte es ja gleich sein, da wir im Tagelohn arbeiteten. Aber je länger es dauerte, desto unbehaglicher fühlte ich mich in der Gesellschaft meines Kameraden. Daß er z. B. das Brot gegen die bloße Brust stemmte und mit einem fetten Taschenmesser, das er häufig ableckte, davon herunterschnitt, verursachte mir große Pein; dazu kam, daß er sich die ganze Woche hindurch, von Sonntag zu Sonntag, niemals wusch. Am Morgen, noch ehe die Sonne kam, und am Abend, wenn sie untergegangen war, hing ihm ein blanker Tropfen an der Nase. Und Nägel hatte er! Und seine Ohren waren so häßlich!

Ach, ich war ein Emporkömmling, der in Caféhäusern gelernt hatte fein zu sein.

Da ich mich nicht enthalten konnte, die Unreinlichkeit meines Kameraden zu bekritteln, schuf ich eine wachsende Mißstimmung zwischen uns, und ich fürchtete, daß wir uns eines Tages trennen würden. Wir sprachen nur das Notwendigste miteinander.

Der Brunnen war immer noch ungegraben. Der Sonntag kam, und Grindhusen war heimgegangen.

Ich hatte nun mein Peilrohr fertig, und so stieg ich am Nachmittag auf das Dach des Hauptgebäudes und befestigte dort meinen Apparat. Ich sah sofort, daß die Peilung mehrere Meter unterhalb des Gipfels auf die Anhöhe traf. Gut. Wenn ich nun auch noch einen ganzen Meter bis zum Wasserspiegel im Brunnen abzog, würde doch Druck im Überfluß vorhanden sein.

Während ich dalag und peilte, wurde ich vom Sohne des Pfarrers entdeckt. Er hieß Harald Meltzer. Was ich da oben treibe. Den Hang vermessen, warum das? Wozu müsse ich die Höhe wissen? Laß mich auch messen!

Später nahm ich eine Leine von zehn Metern und maß den Hang von oben bis unten aus. Harald half mir dabei. Als wir wieder zum Hof hinunterkamen, meldete ich mich beim Pfarrer und trug ihm meinen Plan vor.

6.